Montag, 24. November 2008

Die letzte einsame Nacht

Ein weiteres Mal stieg ich an diesem Sonntagabend um 22:34 in den 62er - vormals auch bekannt unter dem Namen "The Bus of Love" (aus welchen Gründen auch immer) -, der mich zur Arbeit transportierte. Dieses routinierte Prozedere, das ich an fast jedem Wochenende des letzten Jahres über mich habe ergehen lassen, fühlte sich heute Abend jedoch etwas anders an. Nein, die VBZ war dieses Mal kein Austragungsort einer Fleischbeschau. Es lag auch nicht an der verschneiten Strasse oder dem rutschigen Fahrstil des Chauffeurs. Denn heute Nacht ist die Nacht, in der eine Ära zu Ende geht. Heute Nacht absolviere ich nämlich meine Schlussaufführung als Nachtportier.
Nie mehr Zimmerverkauf an lettische Prostituierte inklusive Zuhälter, nie mehr verdutzte Gäste, die total perplex auf die Frage reagieren, wann denn genau sie ihren Weckruf haben möchten, nie mehr Flammeninfernos, nie mehr Feierabend um 7 Uhr morgens oder gar Dates im Chefbüro.

Doch diese letzte einsame Nacht in der Hotellobby scheint nicht so dunkel wie die vorherigen dank der Erhellung durch diesen wunderschönen Schneesturm. Solang ich keinen Fuss mit meinen Turnschuhen darauf setzen muss, finde ich diese weisse Pracht ziemlich bezaubernd. Zebrasteifen, Tramschienen, Strassen, Fusspfade lösen sich auf in ein Hauch von Nichts und alles Sichtbare ist eine riesige weisse Fläche. Die Wege, die man gehen muss, sind aufs Mal nicht mehr vorgegeben. Was man spürt, ist ein Stückchen Freiheit und Grenzenlosigkeit. Man wählt sich nun seinen Pfad selber und geht auch möglicherweise neue Wege, rein in die neue Welt, die durch den Schneefall eine Art Reinigungsprozess durchlaufen hat.

Wie ihr seht, kann ein solcher Wetterumbruch in der letzten Arbeitsnacht nachdenklich machen. Geht jedoch eine Tür zu, wird zugleich eine neue Tür geöffnet.
Mit diesem Beitrag beuge ich mich nun vor, sage "Tschüss", bedanke mich bei meinem bisherigen Superteam für die lustige und lehhrreiche Zeit und stürze mich rein ins neue Berufsleben, rein ins neue Abenteuer (oder wie in meinem Fall zwei davon), rein ins neue Leben, in dem die einsamen Nächte seltener werden...

Sonntag, 2. November 2008

Der Date-Knigge

Manche fragen sich vielleicht, wieso ausgerechnet ich auf die Idee kommen sollte, über Benimmeregeln bei Dates aufzuklären. Fakt Nummer 1: Ich bin tatsächlich noch ein Date-Lehrling und hoffe sehnlichst, irgendwann einmal doch ein perfektes Date miterleben bzw. bieten zu dürfen. Fakt Nummer 2: Ich habe mittlerweile das eine oder andere Date über mich ergehen lassen. Keines war perfekt, keines davon war der reinste Horror. Nichtsdestotrotz kann ich mittlerweile gut darüber urteilen, was bei mir und bei meinem Gegenüber gut ankommt und was nicht.
Hier also eine kleine Liste von Date-No-Go's als kleine Leitlinien für diejenigen unter euch, die sich schon immer gerfagt haben: Was habe ich bloss falsch gemacht?

Unpünktlichkeit
Nein, es ist kein Vorstellungsgespräch. Jedoch ist auch bei einem Date der erste Eindruck, der am meisten zählt. Unpünktlichkeit wird (fälschlicherweise!) oft mit Unzuverlässigkeit gleichgesetzt und lässt seine Chancen schon auf Null sinken, bevor das Date überhaupt angefangen hat. Nehmt lieber ein Tram früher, um sicher und pünktlich ans Ziel anzukommen. Sollte es aber doch vorkommen, dass man sich zu lange mit seiner Kleiderwahl, der Frisur oder nervenberuhigenden Telefonaten mit seinen Faghags beschäftigt hat und einem das Tram vor der Nase abfährt: Früh genug alarmieren und gegebenfalls einen Drink ausgeben.

Handy
Was gibt es störenderes, als einen Dating-Partner, der ständig am Handy klebt und SMS schreibt? Also: Entweder auf lautlos oder Vibration stellen und hängt am anderen Ende der Leine eine Freundin, die nach Updates über den Verlauf der Dinge süchtig ist, geht aufs Klo und schreibt ein kurze Nachricht. Wichtig: Nicht sofort nach dem Handy greifen, sobald das Date selber auf der Toilette ist! Denn in vielen Fällen kommt er früher zurück, als man denkt.

Trinkgewohnheiten
Ein Gläschen Wein oder zwei (während dem Date, nicht vor dem Date!), um die Nervösität zu lindern und lockere Gespräche in Gang zu setzen, schadet nie. Muss mehr Alkohol her, um sich sein gegenüber schönzusaufen, dann lasst es am Besten ganz sein, verabschiedet euch nett und geht euch anschliessend mit Freunden besaufen.

Rauchen
Prallen ein Nichtraucher und ein Raucher aufeinander, liegt es beim Raucher, nett zu fragen, ob es dem Nichtraucher störe, wenn man mal während dem Bierchen eine anzündet.

Sex
Wie weit geht man beim ersten Date? Alles bis zur Second Base ist erlaubt. Passiert mehr, können erstens falsche Erwartungen geweckt werden, denn mindestens eine der involvierten Personen hofft am nächsten Morgen auf mehr als eine Nacht und zweitens besteht die Gefahr, dass man bei einem Kandidaten, der durchaus mehr als einen One-Night-Stand wert ist, als promiskuitiv abgestempelt wird und damit die Chancen vergeigt werden. Ausser natürlich, es ist von Anfang an so geplant.

Thema Vergangenheit
"Wie oft datest du?", "Der wievielte bin ich?", "Wie lang war deine längste Beziehung und woran ist sie gescheitert?" - das sind Fragen, die bei einem Date nicht gestellt werden dürfen. Es bringt nichts, alte Bekanntschaften durch die Mikrowelle zu ziehen und vergangene Themen wieder aufzuwärmen. Natürlich interessiert es, ob derjenige schon in einer Beziehung war oder nicht. Aber bis die Zeit reif ist für eine derartige Frage, wartet man lieber bis zum zweiten oder Dritten Date...

Thema Zukunft
Manchmal muss gar nichts gesagt werden über zukünftige Treffen oder ob das Date als ein Erfolg gelten kann oder nicht. In einigen Fällen genügt ein gewisser Blick, der einem nach der Second, Third oder gar Fourth Base zugeworfen wird, der mehr aussagt, als 1000 Worte: "Ich will dich wieder sehen! Ich will dich heiraten und deine Kinder gebären!" Oder so. Ich nenne ihn mal den alarmierenden Brokeback-Blick. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte geklärt werden, ob man den Blick zurückerwidern möchte oder nicht. Je länger es hinausgezögert wird, desto schwerer die Konsequenzen. Am besten beim Abschied die Karten offen auf den Tisch legen.

Verstellen
Das oberste Gebot bei Dating: Bleibe du selbst und verstelle dich für niemanden! Alles andere wird sich von Natur aus selber entwickeln und unter Beachtung einiger Benimmregeln steht einem zweiten, erfolgreichen Date nichts mehr im Wege.

Natürlich habe ich selber einige dieser Regeln schon gebrochen und es kam trotzdem tatsächlich zu einem zweiten oder dritten Date. Bis auf die letzte Regel muss man es also nicht so eng sehen und sich einfach locker, natürlich und pünktlich ins Abenteuer stürzen und Erfahrungen sammeln!
Für Vorschläge über andere Date-Benimmregeln bin ich offen und lasse mich durch die Kommentare-Funktion gerne eines Besseren belehren.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Der Sommerschlaf ist vorbei

Züri Nord ist zurück in der Blogosphäre. Kein anderer Tag als der heutige hätte sich besser geeignet für einen Neustart von "Kaffee & Zigaretten". Ja, der Sommer ist seit einem Monat vorbei, aber die, die mich kennen, wissen, dass ich immer und überall mit allem etwas später dran bin als der Rest der Welt. Nun also die hochoffizielle Ankündigung: Weg aus der Sommerpause, zurück ins Zürcher Singleleben mit beschränkten finanziellen Ressourcen!
Nach vier Monaten - ausgenommen von zwei Einträgen, die eher aus Langweile und Frustration entstanden sind als aufgrund von irgendwelchen Kreativitätsschüben - sitze ich nun hier mit einem Glas Wein zu meiner Linken und einer Packung Marlboro Gold zu meiner Rechten und hoffe auf weitere Kreativitätsorgasmen, mit denen ich die wenigen von euch in Zukunft beglücken kann.
Was hat sich denn alles so getan, seit meinem letzten offiziellen Eintrag am 21. Juni 2008 (mal davon abgesehen, dass mein Päckchen Marlboro Gold nun 20 Rappen teurer ist als das Päckchen Marlboro Gold, dass ich am 21. Juni 2008 geraucht habe)? Nun, ich könnte einen ganz neuen Blog eröffnen, um alle Erlebnisse der letzten paar Monate zu dokumentieren und ich hätte mehr Stories und Dramas zur Verfügung um einen Blog zu füllen, der länger existiert als "Kaffee & Zigaretten". Eine andere Variante wäre, das verpasste nachzuholen und hier niederzuschreiben. Das werde ich aber nicht machen. Sorry. Ich schaue nach vorn. Denn das einzige, was zählt, ist die Tatsache, dass nun heute an diesem Donnerstag, dem 23. Oktober 2008, unter dem Strich alles beim gleichen ist, wie am 21. Juni 2008. Bin ich noch Student? Ja, das bin ich, so unglaublich es klingt. Immer noch beschränkte finanzielle Ressourcen? Oh ja, und wie! So beschränkt wie heute, am 23. Oktober 2008, waren sie noch nie zuvor! Wohne ich noch in Zürich Nord? Ja und das wird in Zukunft auch so bleiben. Hoffentlich. Und die Frage aller Fragen: Ist Züri Nord noch Single? Unter dem Strich gesehen - ja! Aber sowas von Single. Wie ihr alle seht, ist alles beim Alten.
Eine kleine Änderung wird es aber trotzdem geben. Aus all den Intermezzos, Dramas und brennenden Feuern der letzten Monate habe ich etwas gelernt, und zwar den Standpunkt bezüglich meines Single-Daseins zu überdenken. Denn es ist kein elendes Single-Dasein, wie ich es zuvor immer wieder beschrieben und kommentiert hatte. Es ist ein Single-Dasein, das einem neue Tore öffnet, ein Single-Dasein, das Raum für neue Erfahrungen herstellt, einfach ein Single-Dasein, dass man geniesst. Macht euch also gefasst auf neue abenteuerliche Single-Episoden aus Zürich Nord!
Ach ja, noch eine kleine Veränderung ist in der Zwischenzeit eingetroffen: Ich habe meinen Nachtjob an den Nagel gehängt und werde bald eine neue Herausforderung in Angriff nehmen. Für die Fans von nächtlichen Hotelbar-Anektoden ist es also bald vorbei. Ich bin aber davon überzeugt, dass es zumindest aus einem meiner neuen Tagesjobs mindestens so viel zu berichten geben wird. Denn bei hellem Tageslicht sieht man bekannterweise so viel klarer.

Sonntag, 19. Oktober 2008

Auf den Punkt gebracht

Nach ein paar Gläschen Wein unterhielten sich einmal zwei gepflegte Damen im fortgeschrittenen Alter an der Hotelbar über Männer. Da sagt die Eine zur Anderen: "Männer sind wie Klos. Entweder voll verschissen oder besetzt!".
Ach, wie Recht sie doch haben...

Mittwoch, 27. August 2008

Kaffee & Yigaretten

Vor fast einer Woche packte ich meine sieben Sachen und machte mich auf den Weg zum Flughafen Kloten. Mein erster Besuch nach Uebersee stand bevor. Nach einem harten, maennerlastigen und irgendwie auch sehr aufregenden Sommer lasse ich jetzt die letzten drei vorlesungsfreien Wochen hier in Florida ausklingen. Genauer gesagt in Orlando.
Schon waehernd den ersten paar Stunden in den USA versuchte ich mich mit den Eigenheiten des American Way of Life zu arrangieren. Hierzu gehoert nicht nur die amerikanische Computertastatur, bei der ich einige Umlaute vermisse, oder bei der das "Z" und das "Y" vertauscht sind, sondern auch Gegebenheiten, die moeglicherweise ein bisschen mehr Gewoehnungszeit in Anspruch nehmen. Hierzu einige Beispiele:
  1. Rauchen
    Die Freude ueber die tiefen Zigarettenpreise hielt bis zu dem Moment an, in dem mir klar wurde, dass der billige Tabak fast nirgendwo konsumiert werden darf. Verdutzt hat mich das Flughafenpersonal in Philadelphia (mein Umstiegpunkt) angestarrt, als ich nach "Smoker's Lounges" fragte. Und noch verdutzter guckte ich, als ich herausfand, dass ich fuer jede Zigarette waehrend meines fuenfstuendigen Aufenthaltes den Flughafen zu verlassen hatte und beim Wiederbetreten das ganze Prozedere der Sicherheitskontrolle ueber mich ergehen lassen musste.
  2. Klimaanlagen
    Air Conditioners koennen waehrend dieser Hitze in Florida ganz nuetzlich sein. Bei den Umstaenden, die hier herrschen, bekam der Oekolog beim betreten jedes klimatisierten Raumes (also jedes Raumes) einen regelrechten Kaelteschock. Bei einer Aussentemperatur von 40 Grad ist hier zumindest fuer mich der Aufenthalt in einem Raum ohne Bettdecke unvorstellbar. Was wieder einen enormen Hitzeschock bei jeder Zigarettenpause ausloest.
  3. Mobilitaet
    "Ich bin auch ein..."...Auto. Fragt man hier nach einem Zug, Tram oder Bus wird man mindestens genau so verdutzt angeschaut wie bei der Auskunft nach Raucherzonen im Flughafen, was fuer mich das Leben etwas schwierig macht, da ich erstens nicht einmal einen Fuehrerschein besitze und mich zweitens mit dem Gedanken nicht anfreuden kann, dass man fuer die Ausleihe einer DVD mindestens 15 Minuten lang mit der Karre fahren muss. Und bei der Frage, ob man hie und da zu Fuss gemuetlich flanieren kann, reagieren die Mitmenschen so, als kaeme man von einem anderen Planeten. Naja, vielleicht tue ich das auch.
  4. Groessenordnungen
    Dass hier die Menschen groesser und voluminoeser sind als bei uns in Europa, war fuer mich keine Neuigkeit. Ist ja auch kein Wunder bei diesen Mobilitaetsverhaeltnissen. Nein, alles ist groesser. Die Schokoriegel, die Essensportionen beim Chinesen, die Einkaufstempel, die Parkplatzflaechen und vor allem die Distanzen zwischen Punkt A und Punkt B. Wobei wir wieder bei Punkt 3 waeren.
  5. Umweltbewusstsein
    ... liegt nach den ersten vier Punkten zusammengefasst in den USA bei Null. Nein, ich bin kein Oeko-Freak, aber es tut weh, eine Glasflasche, die Aludose und die Essenreste in den gleichen Abfall schmeissen zu muessen. Wahrscheinlich liegt es einfach an meinen Zuercherischen Gewohnheiten.

Erst ein Drittel meines USA-Aufenthaltes ist vorbei. Ich bin gespannt, was fuer neue Seiten des amerikanischen Lebens ich in den naechsten zwei Wochen entdecken kann. Aber morgen geht es erstmal ab ins Disney World!

P.S. fuer die Fans von Fleischbeschau-News: Die behalte ich mal fuer mich. Und waehrend meiner zweimonatigen Kaffee&Zigaretten-Abstinenz hat die Fleischbeschau sowieso an Bedeutung verloren...