Montag, 24. November 2008

Die letzte einsame Nacht

Ein weiteres Mal stieg ich an diesem Sonntagabend um 22:34 in den 62er - vormals auch bekannt unter dem Namen "The Bus of Love" (aus welchen Gründen auch immer) -, der mich zur Arbeit transportierte. Dieses routinierte Prozedere, das ich an fast jedem Wochenende des letzten Jahres über mich habe ergehen lassen, fühlte sich heute Abend jedoch etwas anders an. Nein, die VBZ war dieses Mal kein Austragungsort einer Fleischbeschau. Es lag auch nicht an der verschneiten Strasse oder dem rutschigen Fahrstil des Chauffeurs. Denn heute Nacht ist die Nacht, in der eine Ära zu Ende geht. Heute Nacht absolviere ich nämlich meine Schlussaufführung als Nachtportier.
Nie mehr Zimmerverkauf an lettische Prostituierte inklusive Zuhälter, nie mehr verdutzte Gäste, die total perplex auf die Frage reagieren, wann denn genau sie ihren Weckruf haben möchten, nie mehr Flammeninfernos, nie mehr Feierabend um 7 Uhr morgens oder gar Dates im Chefbüro.

Doch diese letzte einsame Nacht in der Hotellobby scheint nicht so dunkel wie die vorherigen dank der Erhellung durch diesen wunderschönen Schneesturm. Solang ich keinen Fuss mit meinen Turnschuhen darauf setzen muss, finde ich diese weisse Pracht ziemlich bezaubernd. Zebrasteifen, Tramschienen, Strassen, Fusspfade lösen sich auf in ein Hauch von Nichts und alles Sichtbare ist eine riesige weisse Fläche. Die Wege, die man gehen muss, sind aufs Mal nicht mehr vorgegeben. Was man spürt, ist ein Stückchen Freiheit und Grenzenlosigkeit. Man wählt sich nun seinen Pfad selber und geht auch möglicherweise neue Wege, rein in die neue Welt, die durch den Schneefall eine Art Reinigungsprozess durchlaufen hat.

Wie ihr seht, kann ein solcher Wetterumbruch in der letzten Arbeitsnacht nachdenklich machen. Geht jedoch eine Tür zu, wird zugleich eine neue Tür geöffnet.
Mit diesem Beitrag beuge ich mich nun vor, sage "Tschüss", bedanke mich bei meinem bisherigen Superteam für die lustige und lehhrreiche Zeit und stürze mich rein ins neue Berufsleben, rein ins neue Abenteuer (oder wie in meinem Fall zwei davon), rein ins neue Leben, in dem die einsamen Nächte seltener werden...

Sonntag, 2. November 2008

Der Date-Knigge

Manche fragen sich vielleicht, wieso ausgerechnet ich auf die Idee kommen sollte, über Benimmeregeln bei Dates aufzuklären. Fakt Nummer 1: Ich bin tatsächlich noch ein Date-Lehrling und hoffe sehnlichst, irgendwann einmal doch ein perfektes Date miterleben bzw. bieten zu dürfen. Fakt Nummer 2: Ich habe mittlerweile das eine oder andere Date über mich ergehen lassen. Keines war perfekt, keines davon war der reinste Horror. Nichtsdestotrotz kann ich mittlerweile gut darüber urteilen, was bei mir und bei meinem Gegenüber gut ankommt und was nicht.
Hier also eine kleine Liste von Date-No-Go's als kleine Leitlinien für diejenigen unter euch, die sich schon immer gerfagt haben: Was habe ich bloss falsch gemacht?

Unpünktlichkeit
Nein, es ist kein Vorstellungsgespräch. Jedoch ist auch bei einem Date der erste Eindruck, der am meisten zählt. Unpünktlichkeit wird (fälschlicherweise!) oft mit Unzuverlässigkeit gleichgesetzt und lässt seine Chancen schon auf Null sinken, bevor das Date überhaupt angefangen hat. Nehmt lieber ein Tram früher, um sicher und pünktlich ans Ziel anzukommen. Sollte es aber doch vorkommen, dass man sich zu lange mit seiner Kleiderwahl, der Frisur oder nervenberuhigenden Telefonaten mit seinen Faghags beschäftigt hat und einem das Tram vor der Nase abfährt: Früh genug alarmieren und gegebenfalls einen Drink ausgeben.

Handy
Was gibt es störenderes, als einen Dating-Partner, der ständig am Handy klebt und SMS schreibt? Also: Entweder auf lautlos oder Vibration stellen und hängt am anderen Ende der Leine eine Freundin, die nach Updates über den Verlauf der Dinge süchtig ist, geht aufs Klo und schreibt ein kurze Nachricht. Wichtig: Nicht sofort nach dem Handy greifen, sobald das Date selber auf der Toilette ist! Denn in vielen Fällen kommt er früher zurück, als man denkt.

Trinkgewohnheiten
Ein Gläschen Wein oder zwei (während dem Date, nicht vor dem Date!), um die Nervösität zu lindern und lockere Gespräche in Gang zu setzen, schadet nie. Muss mehr Alkohol her, um sich sein gegenüber schönzusaufen, dann lasst es am Besten ganz sein, verabschiedet euch nett und geht euch anschliessend mit Freunden besaufen.

Rauchen
Prallen ein Nichtraucher und ein Raucher aufeinander, liegt es beim Raucher, nett zu fragen, ob es dem Nichtraucher störe, wenn man mal während dem Bierchen eine anzündet.

Sex
Wie weit geht man beim ersten Date? Alles bis zur Second Base ist erlaubt. Passiert mehr, können erstens falsche Erwartungen geweckt werden, denn mindestens eine der involvierten Personen hofft am nächsten Morgen auf mehr als eine Nacht und zweitens besteht die Gefahr, dass man bei einem Kandidaten, der durchaus mehr als einen One-Night-Stand wert ist, als promiskuitiv abgestempelt wird und damit die Chancen vergeigt werden. Ausser natürlich, es ist von Anfang an so geplant.

Thema Vergangenheit
"Wie oft datest du?", "Der wievielte bin ich?", "Wie lang war deine längste Beziehung und woran ist sie gescheitert?" - das sind Fragen, die bei einem Date nicht gestellt werden dürfen. Es bringt nichts, alte Bekanntschaften durch die Mikrowelle zu ziehen und vergangene Themen wieder aufzuwärmen. Natürlich interessiert es, ob derjenige schon in einer Beziehung war oder nicht. Aber bis die Zeit reif ist für eine derartige Frage, wartet man lieber bis zum zweiten oder Dritten Date...

Thema Zukunft
Manchmal muss gar nichts gesagt werden über zukünftige Treffen oder ob das Date als ein Erfolg gelten kann oder nicht. In einigen Fällen genügt ein gewisser Blick, der einem nach der Second, Third oder gar Fourth Base zugeworfen wird, der mehr aussagt, als 1000 Worte: "Ich will dich wieder sehen! Ich will dich heiraten und deine Kinder gebären!" Oder so. Ich nenne ihn mal den alarmierenden Brokeback-Blick. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte geklärt werden, ob man den Blick zurückerwidern möchte oder nicht. Je länger es hinausgezögert wird, desto schwerer die Konsequenzen. Am besten beim Abschied die Karten offen auf den Tisch legen.

Verstellen
Das oberste Gebot bei Dating: Bleibe du selbst und verstelle dich für niemanden! Alles andere wird sich von Natur aus selber entwickeln und unter Beachtung einiger Benimmregeln steht einem zweiten, erfolgreichen Date nichts mehr im Wege.

Natürlich habe ich selber einige dieser Regeln schon gebrochen und es kam trotzdem tatsächlich zu einem zweiten oder dritten Date. Bis auf die letzte Regel muss man es also nicht so eng sehen und sich einfach locker, natürlich und pünktlich ins Abenteuer stürzen und Erfahrungen sammeln!
Für Vorschläge über andere Date-Benimmregeln bin ich offen und lasse mich durch die Kommentare-Funktion gerne eines Besseren belehren.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Der Sommerschlaf ist vorbei

Züri Nord ist zurück in der Blogosphäre. Kein anderer Tag als der heutige hätte sich besser geeignet für einen Neustart von "Kaffee & Zigaretten". Ja, der Sommer ist seit einem Monat vorbei, aber die, die mich kennen, wissen, dass ich immer und überall mit allem etwas später dran bin als der Rest der Welt. Nun also die hochoffizielle Ankündigung: Weg aus der Sommerpause, zurück ins Zürcher Singleleben mit beschränkten finanziellen Ressourcen!
Nach vier Monaten - ausgenommen von zwei Einträgen, die eher aus Langweile und Frustration entstanden sind als aufgrund von irgendwelchen Kreativitätsschüben - sitze ich nun hier mit einem Glas Wein zu meiner Linken und einer Packung Marlboro Gold zu meiner Rechten und hoffe auf weitere Kreativitätsorgasmen, mit denen ich die wenigen von euch in Zukunft beglücken kann.
Was hat sich denn alles so getan, seit meinem letzten offiziellen Eintrag am 21. Juni 2008 (mal davon abgesehen, dass mein Päckchen Marlboro Gold nun 20 Rappen teurer ist als das Päckchen Marlboro Gold, dass ich am 21. Juni 2008 geraucht habe)? Nun, ich könnte einen ganz neuen Blog eröffnen, um alle Erlebnisse der letzten paar Monate zu dokumentieren und ich hätte mehr Stories und Dramas zur Verfügung um einen Blog zu füllen, der länger existiert als "Kaffee & Zigaretten". Eine andere Variante wäre, das verpasste nachzuholen und hier niederzuschreiben. Das werde ich aber nicht machen. Sorry. Ich schaue nach vorn. Denn das einzige, was zählt, ist die Tatsache, dass nun heute an diesem Donnerstag, dem 23. Oktober 2008, unter dem Strich alles beim gleichen ist, wie am 21. Juni 2008. Bin ich noch Student? Ja, das bin ich, so unglaublich es klingt. Immer noch beschränkte finanzielle Ressourcen? Oh ja, und wie! So beschränkt wie heute, am 23. Oktober 2008, waren sie noch nie zuvor! Wohne ich noch in Zürich Nord? Ja und das wird in Zukunft auch so bleiben. Hoffentlich. Und die Frage aller Fragen: Ist Züri Nord noch Single? Unter dem Strich gesehen - ja! Aber sowas von Single. Wie ihr alle seht, ist alles beim Alten.
Eine kleine Änderung wird es aber trotzdem geben. Aus all den Intermezzos, Dramas und brennenden Feuern der letzten Monate habe ich etwas gelernt, und zwar den Standpunkt bezüglich meines Single-Daseins zu überdenken. Denn es ist kein elendes Single-Dasein, wie ich es zuvor immer wieder beschrieben und kommentiert hatte. Es ist ein Single-Dasein, das einem neue Tore öffnet, ein Single-Dasein, das Raum für neue Erfahrungen herstellt, einfach ein Single-Dasein, dass man geniesst. Macht euch also gefasst auf neue abenteuerliche Single-Episoden aus Zürich Nord!
Ach ja, noch eine kleine Veränderung ist in der Zwischenzeit eingetroffen: Ich habe meinen Nachtjob an den Nagel gehängt und werde bald eine neue Herausforderung in Angriff nehmen. Für die Fans von nächtlichen Hotelbar-Anektoden ist es also bald vorbei. Ich bin aber davon überzeugt, dass es zumindest aus einem meiner neuen Tagesjobs mindestens so viel zu berichten geben wird. Denn bei hellem Tageslicht sieht man bekannterweise so viel klarer.

Sonntag, 19. Oktober 2008

Auf den Punkt gebracht

Nach ein paar Gläschen Wein unterhielten sich einmal zwei gepflegte Damen im fortgeschrittenen Alter an der Hotelbar über Männer. Da sagt die Eine zur Anderen: "Männer sind wie Klos. Entweder voll verschissen oder besetzt!".
Ach, wie Recht sie doch haben...

Mittwoch, 27. August 2008

Kaffee & Yigaretten

Vor fast einer Woche packte ich meine sieben Sachen und machte mich auf den Weg zum Flughafen Kloten. Mein erster Besuch nach Uebersee stand bevor. Nach einem harten, maennerlastigen und irgendwie auch sehr aufregenden Sommer lasse ich jetzt die letzten drei vorlesungsfreien Wochen hier in Florida ausklingen. Genauer gesagt in Orlando.
Schon waehernd den ersten paar Stunden in den USA versuchte ich mich mit den Eigenheiten des American Way of Life zu arrangieren. Hierzu gehoert nicht nur die amerikanische Computertastatur, bei der ich einige Umlaute vermisse, oder bei der das "Z" und das "Y" vertauscht sind, sondern auch Gegebenheiten, die moeglicherweise ein bisschen mehr Gewoehnungszeit in Anspruch nehmen. Hierzu einige Beispiele:
  1. Rauchen
    Die Freude ueber die tiefen Zigarettenpreise hielt bis zu dem Moment an, in dem mir klar wurde, dass der billige Tabak fast nirgendwo konsumiert werden darf. Verdutzt hat mich das Flughafenpersonal in Philadelphia (mein Umstiegpunkt) angestarrt, als ich nach "Smoker's Lounges" fragte. Und noch verdutzter guckte ich, als ich herausfand, dass ich fuer jede Zigarette waehrend meines fuenfstuendigen Aufenthaltes den Flughafen zu verlassen hatte und beim Wiederbetreten das ganze Prozedere der Sicherheitskontrolle ueber mich ergehen lassen musste.
  2. Klimaanlagen
    Air Conditioners koennen waehrend dieser Hitze in Florida ganz nuetzlich sein. Bei den Umstaenden, die hier herrschen, bekam der Oekolog beim betreten jedes klimatisierten Raumes (also jedes Raumes) einen regelrechten Kaelteschock. Bei einer Aussentemperatur von 40 Grad ist hier zumindest fuer mich der Aufenthalt in einem Raum ohne Bettdecke unvorstellbar. Was wieder einen enormen Hitzeschock bei jeder Zigarettenpause ausloest.
  3. Mobilitaet
    "Ich bin auch ein..."...Auto. Fragt man hier nach einem Zug, Tram oder Bus wird man mindestens genau so verdutzt angeschaut wie bei der Auskunft nach Raucherzonen im Flughafen, was fuer mich das Leben etwas schwierig macht, da ich erstens nicht einmal einen Fuehrerschein besitze und mich zweitens mit dem Gedanken nicht anfreuden kann, dass man fuer die Ausleihe einer DVD mindestens 15 Minuten lang mit der Karre fahren muss. Und bei der Frage, ob man hie und da zu Fuss gemuetlich flanieren kann, reagieren die Mitmenschen so, als kaeme man von einem anderen Planeten. Naja, vielleicht tue ich das auch.
  4. Groessenordnungen
    Dass hier die Menschen groesser und voluminoeser sind als bei uns in Europa, war fuer mich keine Neuigkeit. Ist ja auch kein Wunder bei diesen Mobilitaetsverhaeltnissen. Nein, alles ist groesser. Die Schokoriegel, die Essensportionen beim Chinesen, die Einkaufstempel, die Parkplatzflaechen und vor allem die Distanzen zwischen Punkt A und Punkt B. Wobei wir wieder bei Punkt 3 waeren.
  5. Umweltbewusstsein
    ... liegt nach den ersten vier Punkten zusammengefasst in den USA bei Null. Nein, ich bin kein Oeko-Freak, aber es tut weh, eine Glasflasche, die Aludose und die Essenreste in den gleichen Abfall schmeissen zu muessen. Wahrscheinlich liegt es einfach an meinen Zuercherischen Gewohnheiten.

Erst ein Drittel meines USA-Aufenthaltes ist vorbei. Ich bin gespannt, was fuer neue Seiten des amerikanischen Lebens ich in den naechsten zwei Wochen entdecken kann. Aber morgen geht es erstmal ab ins Disney World!

P.S. fuer die Fans von Fleischbeschau-News: Die behalte ich mal fuer mich. Und waehrend meiner zweimonatigen Kaffee&Zigaretten-Abstinenz hat die Fleischbeschau sowieso an Bedeutung verloren...

Samstag, 21. Juni 2008

Züri (Nord) rollt

Auch bei mir rollte heute Abend der Ball endlich! Es vergingen ganze zwei Wochen ohne ein einziges EM-Spiel mitverfolgt zu haben. Mein generelles Fussball-Desinteresse hatte weniger damit zu tun als der Haufen an Prüfungen und Seminararbeit-Deadlines, die in den letzten paar Wochen auf dem Programm standen. Ehrlich, Veranstaltungen wie die EM finde ich recht amüsant. Ansonsten verstehe ich bei Fussball-Themen nur Bahnhof. Ja, ich gehöre zu den Menschen, die den Begriff Abseits mit "ist das nicht dann, wenn's ein Tor gibt, und dann doch nicht" definieren. Oder Fragen bezüglich des Nati-Favoriten mit "Vonlanthen find ich eigentlich ganz sexy" beantworten. Dafür kann ich die Aufzählung der letzen zehn Gewinner des Eurovision Song Contest aus dem Ärmel schütteln oder alle 18 Nummer-1-Hits von Mariah Carey chronologisch anordnen. Wie auch immer: Turkiye!!! Obwohl man sich die ersten 119 Minuten vom Spiel sparen konnte, war meine persönliche Euro-Premiere geglückt. Und das in good old Winti City, a.k.a. New Istanbul.
Überdies kamen in jüngster Vergangenheit auch andere Sachen wie beispielsweise bestandene Prüfungen oder die Früchte meiner Joghurt-Früchte-Diät ins Rollen. Und: Seit neustem ist Züri Nord in Züri Nord wieder auf sportlichen zwei Rädern unterwegs! Endlich machte ich mir die Mühe und packte mein Velo in die S8 Richtung Züri. Leider musste ich bei meiner Velo-auf-Zürcher-Strassen-Uraufführung feststellen, dass diese Stadt für uns Velofahrer nicht optimal geeignet ist. Ein Tram hier, eine Einbahnstrasse da... Aber wahrscheinlich bin ich diesbezüglich einfach etwas verwöhnt von Winterthur, DER Velostadt. Ich bleibe aber hartnäcking und versuche mit den Eigenheiten des Veloalltags hier in Zürich klarzukommen. Schliesslich habe ich seither kein einziges Mal den Bus oder das Tram bestiegen. Wenn ihr also in naher Zukunft einen Typ sieht, der orientierungslos durch die Strassen rollt, sagt ungeniert "hoi" - spätestens am 16. Februar auf dem Weg ins Hallenstadion zu Tina Turner. Ja, ich hab' Tickets! "Big wheel keep on turning, Proud Mary keep on burning; And we're rollin', rollin'..."

Dienstag, 10. Juni 2008

Aufruf

An den hübschen Tramchauffeur, der heute Vormittag mit der Cobra (Wagennummer 3025) auf der Linie 9 zwischen Heuried und Hirzenbach herumgekurvt ist und der mit mir (an der gegenüberliegenden Kante einer gewissen Haltestelle irgendwo zwischen Wiedikon und Schwamendingen) innigen Augenkontakt aufbaute: Vielen Dank für die Versüssung eines nicht so ganz stressfreien Prüfungstages!
(Und falls du das hier wirklich lesen sollst: Meld dich mal!)

Donnerstag, 15. Mai 2008

Spiel mit dem Feuer

Heute habe ich endlich mal ein paar extrem entflammte Feuer gelöscht. Leider nur im wortwörtlichen Sinn. Ich durfte den ganzen Vormittag lang auf einem Gelände in Zürich Nord den Feuerwehrmann in rauslassen und in einem Feuerlöschkurs (angeordnet durch meinen Arbeitgeber) meinen Respekt vor der Flamme relativieren. Als Sahnehäubchen hoffte ich auf schöne und tüchtige Feuerwehrmänner als Kursleiter. Kaum angekommen, hat sich auch mein Symbolbild, das ich von schönen und tüchtigen Feuerwehrmännern hatte, relativiert. Dafür trainierten auf dem gleichen Areal ein paar sexy Polizisten mit ihren Spürhunden... Lernreich war der Tag auf jeden Fall und ich würde es jedem weiterempfehlen. Nun weiss ich, dass ein Sofabrand innerhalb von zwei Minuten zu einem verheerenden Zimmerbrand mutiert, welche Art von Feuerlöscher ich wann und wo einsetzen kann und wie eine brennende Ölpfanne zu löschen ist. Was uns die Herren aber nicht beigebracht haben ist die Handhabung mit gewissen Arten von Feuern, die bei mir seit Ewigkeiten nicht mehr entfacht sind.
Ja, wie ihr seht, ist alles noch beim Alten. Kurz nach der Uni am Nachmittag telefonierte ich mit meinem Vater, der mich wieder einmal mit erhobenem Finger (ich habe den Finger durchs Handy gespürt) darauf hinwies, ich solle in diesem Semester nicht mit dem Feuer spielen. Es war eines dieser kontrollierenden Telefonate, in denen ich eine kurze Berichterstattung über den Stand der Dinge - hauptsächlich bezüglich der Uni - abgeben muss. Dass ich ja genug lerne! Kurz liess ich die letzten paar Wochen revue passieren. Dieser Rückblick war gefüllt mit Tagen wie gestern, an denen ich mir von der Uni "freigenommen" habe, mit komischen blauen Büchern, die ich seit zwei Monaten besitze, aber nie aufgeschlagen habe - jedoch jedes mal zur Arbeit mitnehme für den Fall, dass ich mal Zeit zum lernen finde, und ist mal ein ruhiger Moment eingetreten, bin ich in null Komma nichts auf StudiVZ - oder Seminararbeiten, deren Konzepte rein auf Überlegungen basieren, die bei einem Bier in gewissen Nordzürcher Bars entwickelt wurden. Aber hey, immerhin haben wir heute Abend unsere Forschungsresultate bei einem Margarita interpretiert und ausgewertet! Resultate!!
"Ja Papi", sagte ich, "ich teile mir die Zeit, die ich für die Uni benötige, selbstständig ein, die Seminararbeit ist auch im vollen Gange und die ersten Prüfungen in zwei Wochen sind ja nur so klitzekleine, mach dir da keine Sorgen! Ich spiele natürlich nicht mit dem Feuer!" Schön wäre es, wenn ich es auch selber glauben würde...

Montag, 28. April 2008

Frühlingssünden

In ziemlich genau 24 Stunden muss ich eine kleine Arbeit für die Uni abgeben und das einzige, womit ich bisher die Word-Vorlage beschmückt habe, ist das Titelblatt. Der Nachteil bei solchen Arbeiten ist die Tatsache, dass sie am Computer geschrieben werden müssen. Denn schon ein Blick auf die Taskleiste kann verhängnisvoll werden. Und schwupps bin ich hier bei blogger.com und merke, dass mein letzter Eintrag einige Zeit zurückliegt. Ausserdem ist das Wetter draussen so schön, dass die Intervalle meiner Zigarettenpausen (Pause wovon?) auf dem Balkon immer kürzer werden. Und ausgerechnet heute müssen alle Hauswärte des Quartiers ihre verstaubten Rasenmäher aus den Kellern hervorziehen. Alles sehr unvorteilhafte Bedingungen für eine Uni-Arbeit.
Wie auch immer, es ist Frühling! Und an meinem ersten freien Sonntag seit Monaten sah ich mich gesteren Nachmittag gezwungen, etwas Sonne zu tanken. Die anfängliche Motivation, an einem verkaterten Sonntagmittag das Bett zu verlassen war nicht die Uni-Arbeit, sondern der Hunger und der leere Kühlschrank. Nach einem fettigen Riesen-Fast-Food-Sandwich (Sünde Nummer 1) migrierte ich zum Hauptbahnhof in die total überfüllte Migros (Sünde Nummer 2: Nicht-Vollkorn-Teigwaren) und zum ersten Mal in diesem Jahr spürte ich einen Hauch von Sommer. Und zum ersten Mal in diesem Jahr merkte ich, dass eine Fleischbeschau in der Sonne mehr zu bieten hat als auf einer verrauchten und verschwitzten Tanzfläche zu nächtlichen Stunden. Ehrlich gesagt kam mir gestern (fast) ganz Zürich wie eine Riesen-Fleischbeschau vor. An der Bahnhofstrasse auf das Tram warten hat nie so viel Spass gemacht. Schade kam meins so früh...
Ähnliches Szenario, eine Stunde später, an der Tramhaltestelle in einem nördlichen Zürcher Quartier auf eine Bekannte wartend, um uns gegenseitig vom Uni-Engagement abzuhalten (Sünde Nummer 3) und den Samstagabend (Sünde Nummer 0?) revue passieren zu lassen: Von Fleisch kann hier nicht die Rede sein. Von Frischfleisch sowieso nicht. Würde man mit einem Querschnittdesign und einer genug repräsentativen Stichprobe an einem Sonntagnachmittag die Fleischkonsistenz aller zwölf Zürcher Quartiere empirisch untersuchen wollen, läge der erwähnte Kreis sicherlich an elfter Stelle.
Wow, wer hätte es gedacht: Ich glaube, ich bin bereit mit der Arbeit anzufangen!

Freitag, 11. April 2008

Höllische Nachbarin

Die grösste Befürchtung vor meinem Umzug waren unüberbrückbare Differenzen mit Nachbarn der älteren Generation die mich um 22:01 auf die Nachtruhe hinweisen. Nach meinem Umzug durfte ich auch feststellen, dass ein älteres Pärchen im Erdgeschoss wohnt und schon flossen die schlimmsten Szenarien durch meinen Kopf. Aus Rücksicht setzte ich meinen Margarita-Eskapaden um Punkt Zehn ein Ende, besorgte mir Bodengleiter und wenn ich Lust auf laute Musik hatte, steckte ich mir Kopfhörer in die Ohren. Schliesslich wohnen ja auch Familien mit Kindern in meinem Block.
Mit der Hauswärtin konnte ich mich auch anfreunden, die ältere Dame aus dem Erdgeschoss ist nun quasi mein Kumpel (obwohl oder vielleicht gerade weil sie mittlerweile etwas hörbehindert ist) und bei der alten Jungfer von nebenan sind immer noch Überreste meiner Schleimspur bemerkbar. So weit, so gut. Die restlichen Mitbewohner sind ja eher jung und die machen sicher keine Probleme, dachte ich mir. Als ich erfuhr, dass unter mir ebenfalls eine Studentin wohnt, die es ins Ghetto verschlagen hatte, schoss eine Welle der Erleichterung durch meine Venen. Das erleichternde Gefühl hielt nicht lange.
Der erste Besuch meiner Eltern stand an. Brav sassen wir anschliessend in der Küche und tranken einen Kaffee. Es war sechs Uhr abends. Jemand klingelt an der Tür - Verwirrung im Quadrat. Türe auf, junge Studentin davor. "Seien sie bitte etwas ruhig, ich habe morgen eine Prüfung und muss mich konzentrieren", ertönte es im perfekten Schweizer Hochdeutsch (nur weil mein Nachname nicht Meier ist, heisst das nicht, dass ich kein Schweizerdeutsch verstehe). "Gang doch id Bibliothek! Es isch ja nonig 10i und d ZB hät sicher no offe!" - Worte, die ich lieber für mich behielt. Ich war ja neu da und wollte mir nicht schon am Anfang Feinde schaffen. Ausserdem befand ich mich damals selber in der Prüfungsphase, was eine Gefühl der studentischen Solidariät hervorbrachte.
Vor ein paar Tagen kehrte ich frühmorgens von der Arbeit heim. An der Eingangstüre hing ein A4-Blatt mit der Aufschrift "Bitte um 23:30 nicht duschen! Hausordnung bis 22:00!!!! No shower at night!". Dazu noch eine liebevoll gemachte Zeichnung eines durchgestrichenen Duschkopfes - schliesslich könnte sie ja die einzige im Haus sein, die deutsch oder englisch versteht. Ich betrat das Treppenhaus und fand weitere solche Zeichnungen vor. Sollte ich mich angesprochen fühlen? Nein. Vor der Arbeit verlasse ich mein Haus jeweils kurz vor halb 11 Uhr, wobei ich darauf achte, dass ich vor 10 geduscht habe. Bin ich nicht ein vorbildlicher Nachbar?
Laut Frau M. von unten nicht. Heute Abend, ca. 22:30. Komme kurz nach Hause um mich umzuziehen, die Zähne zu putzen und mich frisch zu machen. Wieder aus Rücksicht betätigte ich die Dusche nicht. Ein paar Minuten später kommen zwei Bekannte auf einen Tequila-Shot vorbei (da der Standmixer zu laut ist, verzichtete ich auf Margaritas). Sie waren noch nicht einmal in meiner Wohnung, da geht die Türe im Erdgeschoss auf und eine Stimme im perfekten Schweizer Hochdeutsch schreit herauf: "Es war schon 10 Uhr, nicht duschen!". Hallo? Aus Rücksicht zu den restlichen Anwohnern antwortete ich leise mit einem "Wänn sie mich meinet - ich han nöd duscht". Nun war auch das Rätsel um die Figur, die das Treppenhaus mit den mysteriösen A4-Blättern zuspammte offiziell gelöst.
Das erste, was ich morgen machen werde ist hinuntergehen und sie mit meinem perfekten Schweizerdeutsch nett darauf aufmerksam machen, dass ihr Verhalten unangemessen war. Denn die einzige Nachtruhestörung war das unmögliche Geschrei dieser kleinen, traurigen, frustrierten Person. Denn was ich echt nicht ausstehen kann ist wenn jemand im Unrecht mein Recht ins Unrecht stürzen will. Und im Inneren hoffe ich, dass eine der älteren Damen, die bemutternde Hauswärtin oder meine sexuell etwas zu aktiven Nachbarn von oben vorbeischauen, um mir den Rücken zu decken.

Mittwoch, 2. April 2008

Richtigstellung

Nach meinem gestrigen Beitrag stand mein Handy nicht still und meine Mailbox wurde überfüllt mit Nachrichten von entsetzten und schockierten Lesern, die sich zwar für mich freuten, jedoch kein Ende dieses Blogs wahrhaben wollten.
Leute, kauft euch einen Kalender! Wenn das, was ich gestern geschrieben habe, wirklich gestimmt hätte, wäre die Ankündigung um einiges pompöser ausgefallen. Und vor Freunden geheimgehalten? Hallo? Apropos: Dass Leser, die mich persönlich nicht kennen, darauf reingefallen sind - damit kann ich leben. Aber dass mir gewisse Freunde, die mich seit Jahren kennen, die Geschichte abkekauft haben, ist mir ein Rätsel. Möglicherweise war in dem Moment die Freude grösser als die Rationalität.
Hier also offiziell: Es war ein Aprilscherz! Keine allzu harten Monierungen deswegen, bitte!
Trotzdem möchte ich auf einen Kommentar zum gestrigen Post eingehen, und zwar von Phil aus Zürich (vielen Dank für das nette Feedback übrigens!):
"Hier kannst Du nicht aufhören! [...] Immerhin hast Du auch aufgehört zu rauchen und den Blog-Titel beibehalten, also kannst Du uns weiterhin als Nichtsingle mit Deinen herrlichen Betrachtungen unterhalten."
Ja, ich habe aufgehört zu rauchen. Mehr oder weniger. Den Titel des Blogs habe ich aber trotzdem beibehalten, weil er nun auf mich als Nichtraucher, der sich immer nach einer Zigarette sehnt (Allan Carr würde sich bei dieser Aussage im Grab umdrehen... wäre er tot), metaphorisch besser angewendet werden kann. Kaffee und Zigaretten gehören halt nun zusammen. Die Zigaretten sind jetzt weg, was mir bleibt ist allein der Kaffee, der ohne Zigarette immer noch unvollkommen schmeckt.
Geh jetzt feiern...!

Dienstag, 1. April 2008

Die Single-Jahre sind vorbei

Der Intervall zwischen diesem und meinem letzten Beitrag war länger als die vorherigen. Dafür gibt es ein paar Gründe. Es ist so, ich habe in den letzten Wochen intensiv gedatet. Ich mag so Sachen zwar nicht, weil in der Vergangenheit mehr schlechtes als gutes dabei herauskam. Warum muss auch immer eine normale Zusammenkunft von zwei Singles als ein Date abgestempelt werden?
Im folgenden Fall aber habe ich es nicht bereut. Ich hatte vor ein paar Wochen ein vielversprechendes Date. Niemand in meiner Umgebung wurde darüber informiert, da ich keinen externen Einfluss auf die ganze Sache wollte. Nun, wir haben uns dann ein paar weitere Male getroffen (für die betroffenen Personen, die diesen Blog lesen und sich gewundert haben: Nein, ich musste letzten Freitag nicht Zeugs für die Uni machen. Der Grund für meine Abwesenheit war eine dieser Zusammenkünfte von zwei nun Semi-Singles). Möglicherweise ist es für diese Aussage noch zu früh, aber ich habe das Gefühl, das wird etwas. Obwohl ich mich in einem früheren Beitrag für Romanzen und gegen Beziehungen ausgesprochen habe, würde ich mich in der jetzigen Situation mit nur einer Romanze nicht zufrieden geben. Auch er hat sogar explizit erwähnt, dass er sich etwas längerfristiges vorstellt.
Mal gucken, wo das hinführt.
So wie es aussieht, habe ich von nun an auch keinen Grund mehr dazu, diesen Blog weiterzuführen. Ein Blog über das Singleleben geschrieben von einem Nicht-Single? Nee, das macht keinen Sinn.
War schön mit euch! Dass ein noch so junger Blog schon sterben muss, ist echt schade.
"The light that burns twice as bright burns for half as long and you have burned so very, very brightly."

Dienstag, 25. März 2008

Diese verdammten Schoggihasen!

Da nimmt man sich was vor, macht eine Diät, die nur aus Joghurt, Früchten und... naja, Luft... besteht, geht sogar um sechs Uhr morgens joggen (der Sommer kommt früher als später!) und dann das: Nach Weihnachtsguetzli und Fasnachtskuchen müssen wir Weight-Watchers-Knäckebrot-Esser der nächsten Versuchung widerstehen - den Schoggihasen. Kaum betreten wir die Migros - natürlich nur um Joghurt zu kaufen -, lachen sie uns an und flüstern ganz leise "Iss mich, iss mich!". Ich war stolz auf mich, bis Ostermontag noch kein einziges Mal in den sauren Apfel bzw. das süsse Häschen gebissen zu haben. Wie ich das geschafft habe? So wie ich es bei jeder schokoladigen und nicht-schokoladigen Kalorienbombe mache: Einfach nicht kaufen! Denn zu Hause hat man es meist vergessen und solang nichts im Kühlschrank ist, kann auch nichts gegessen werden.
"Noch ein Tag, dann ist Ostern vorbei und die Schoggihasen aus den Läden verschwunden" - so lautete mein Plan. Was aber, wenn man bei der Arbeit eine zwar lieb gemeinte, aber mindestens so schokoladige Aufmerksamkeit bekommt? Man kann ja nicht nein sagen zu einem lächelnden Schoggihasen mit einer niedlichen, roten Schlaufe und winzigem Glöckchen daran hängend. Das ganze verpackt in einer Goldfolie... hmmm! Er verschwand in meine Tasche. Man will ja nicht unanständig sein. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Zuhause angekommen, Kühlschrank auf. Gähnende Leere. Das Joghurt alle. Knurrender Magen.
Tasche auf. Lächelnder Schoggihase. "Iss mich, iss mich!"
Schoggihase im Magen.
Gleicher Abend, neue Nachtschicht bei der Arbeit. Ich wusste nicht, welches Gefühl schlimmer war - die immer noch anhaltende Übelkeit oder das schlechte Gewissen. Ich zur Arbeitskollegin: "Na, wie geht's denn so heute?". Arbeitskollegin: "Boah, ist mir übel! Dieser verdammte Schoggihase!"

Samstag, 22. März 2008

Frühling, geh weg!

Mittwoch ist nicht nur gleich Fleischbeschautag, sondern auch der Tag, an dem ich meine Lieblings-Gratislektüre im Bus auf dem Weg zur Uni bestaunen kann - das Tagblatt der Stadt Zürich. Nach Schlagzeilen wie "Braune Eier sind robuster wie weisse"* (Hallo?) durfte ich spätestens auf Seite 4 einen Bericht über die "lauschigsten Liebesplätze der Stadt" lesen. Es ist ja bald Frühling, und den achso armen Liebespärchen, denen die Ideen für Orte ausgehen, an denen sie uns ihr Liebesglück unter die Nase reiben können, muss schliesslich geholfen werden. Da war bei mir die Vorfreude auf den Frühling gleich null, denn zu dieser Jahreszeit sieht man die Spezies der turtelnden Männlein und Weiblein überall. Sie sind an jeder Ecke. Ob im Tram, an der Busstation, an der Migroskasse oder in der Vorlesung. Hilfe!
Jeder redet davon, wie schädlich Passivrauchen ist und die Gesetze werden diesbezüglich immer strenger um die gestörten Nichtraucher zu schützen. Ist ja alles schön und gut, was ist aber mit Passivturteln? Der Liebesgestank, der von diesen Menschen kommt, ist für Singles mindestens genau so nervig und störend - und vor allem gesundheitsgefährend - wie Passivrauch. Ich will aber keine Gesetze, die dies einschränken. Ich plädiere einfach für mehr Toleranz. Oder für getrennte Single- und Pärchen-Räume. Ich würde ja auch nicht vor einem hungernden Kind einen Big Mäc essen!
Heute Samstag schienen meine Gebete erhört worden zu sein. Schon Mittwoch Nachmittag war der Frühling verschwunden, am Donnerstag folgten die ersten Schneeflocken. Die Temperaturen kratzen immer noch an der Nullgrenze. Ha! Was sagt ihr Suchenden nach lauschigen Liebesplätzen jetzt?
Doch leider hielt meine guttuende Phase der Schadenfreude nicht lange. Am Donnerstag-, Freitag- UND Samstagabend hatte ich die Antwort auf die obige Frage: Die Pärchen ziehen sich bei tieferen Temperaturen in ihre warmen Stuben zurück. Leider wohnt ein Exemplar dieser Spezies genau über mir in unserem sehr, sehr ringhörigen Blöckchen. Und Uhh's, Ahh's und "Ich komme!" sind nicht unbedingt weniger störend als turtelnde Gestalten auf Parkbänken.
*Es ging um Hühner!

Samstag, 15. März 2008

Die 5-Minuten-Romanze (Teil 2)

Es ist Samstag Abend und ich bin jetzt gerade daran, das zu machen, was ich jeden Samstag Abend bis zum Morgengrauen am Sonntag mache: Arbeiten. Glücklicherweise ist es dieses Wochenende alles andere als stressig, weswegen ich euch zur Zeitüberbrückung mit der folgenden kleinen Geschichte bereichern möchte.
Die Geschehnisse, die ich euch heute Abend schildern werde, fanden genau an diesem Ort statt - bei der Arbeit. Für all die, die es nicht wissen: Ich arbeite nachts in einem Hotel und manchmal begegnen mir hier an der Réception mal mehr und mal weniger interessante Menschen.
Ich bin keine Person, die sich schnell verliebt. Wenn ich ehrlich bin, kann ich mich kaum daran erinnern, wann ich das letzte Mal so richtig verliebt war. Naja, vielleicht doch. Vielleicht verdränge ich es einfach. Manchmal wird man auch wieder daran erinnert. Jedenfalls ist es eine Weile her. Egal. Im folgenden Fall traf das Gegenteil ein.
Es geschah vor einigen Monaten kurz vor 11 Uhr an einem Samstag Abend. Die Arbeitskollegin vom Spätdienst und ich befanden uns hinter dem Frontdesk mitten in der Übergabe. Als ich das Geräusch des Aufzuges hörte, das ich immer höre, wenn er bei uns im Erdgeschoss andockt, erwartete ich irgendeinen Gast, der wieder einmal was von mir will. Ein zusätzliches Kissen, ein Toothbrush-Set, ein Bier. Doch als der Gast, den ich zuvor noch nie bei uns gesehen hatte, den Aufzug verliess und ich meinen Kopf nach ihm drehte, schien für einen Moment die Zeit stillzustehen. In Slow-Motion kam er auf mich zu. Sein schwarzes, gewelltes Haar und der hellbraune Blazer tanzten harmonisch zum Takt der erfrischenden Winterbrise, die durch das offene Bürofenster in die Hotellobby eindrang. Je näher er auf mich zukam, desto mehr verschlug es mir den Atem. Ich verlor mich in seinen tiefen, schwarzen Augen. Sein perfektes Lächeln haute mich um. Er war nicht einmal so unglaublich gutaussehend, wie gewisse andere Kandidaten, mit denen ich 5-minütige Romanzen durchlebt hatte und auf die ich heute Abend lieber nicht zu sprechen komme. Es war das Vollpaket. Diese umwerfende, und trotzdem etwas schüchterne Ausstrahlung. Mittlerweile kam er bei uns an, seine sinnlichen Lippen bewegten sich und im süss-unschuldigen American-English ertönte ein "Can you please tell me if there's an open pharmacy here?". Die Arbeitskollegin ignorierend versuchte ich ihm beizubringen, wie er am schnellsten zur Apotheke im Hauptbahnhof kommt. Als ortskundiger Hotelmitarbeiter sollte ich doch keine Mühe damit haben. Denkste. Der arme Ami war nach meinen idiotischen Ausführungen noch verwirrter als zuvor. Dafür konnte ich ihm ein kleines Lächeln entziehen. Ich hätte ihn am liebsten auf der Stelle geheiratet. Nach fünf Minuten verschwand er wieder im Aufzug mit einem "See you later!"
Ich wusste nicht, in welchem Zimmer er logierte, und somit war mir auch sein Name unbekannt. Wäre ja peinlich gewesen, hätte ich seine Frage mit einem "Which room are you from?" erwidert. Eine sehr prekäre Lage. Ich wusste aber, dass er am nächsten Morgen auscheckte, da die Kollegin ihn - als unser Moment vorbei war - danach fragte. "Heute Abend oder nie", dachte ich mir. Ich hielt es nicht für notwendig, mich über seine Zimmernummer zu informieren, da er ja sowieso bald wieder herunterkommen würde. Er tat es nicht.
Während der ganzen Nacht hoffte ich so fest, ihn wieder zu sehen. Oder wenigstens beim Checkout am Morgen. Ich fantasierte von dramatischen Abschiedsszenen, in denen ich ihm theatralisch nachrenne um seinen Rückflug zu verhindern. Er war meine Whitney Houston, ich sein Bodyguard. Ich schwöre auf meine ganze Mariah-CD-Kollektion - ich hätte es gemacht. Nicht einmal meine memmenhafte Schüchternheit hätte mich davon abhalten können. War aber nix. Er hat weder vor meinem Feierabend (bzw -morgen) ausgecheckt, noch hat er verlängert. Das einzige, was in dieser Nacht von mir ausgecheckt wurde, war er.
Er ward nie wieder gesehen.
Vielleicht sollte ich mich wieder bei Facebook anmelden um beim Gruppenklauen ganz zufällig über ein Profil zu stolpern, dessen Bild mir irgendwie bekannt vorkommt?

"M"

Eine kleine Vorwarnung für all die, die bei Filmen während den achso emotionalen Szenen aufs Klo gehen: Heute Abend (oder Morgen?) könnte es bei "Kaffee & Zigaretten" etwas sentimental werden. Was nicht heisst, dass ich mich dafür entschuldigen will. Ich bin halt eine sentimentale Drama Queen. Es ist ein Teil von mir und ich stehe dazu.
In den letzten zwei Jahren hat sich in meinem Leben in kürzesten Abständen so einiges getan. Manches geschah nach eigener Wahl, manches nicht. Manche Entscheidungen hatte ich anfangs bereut, heute bin ich stolz darauf, gewisse Sachen in die eigene Hand genommen zu haben. Es könnte aber auch nur der normale Prozess des Erwachenwerdens sein. Möglicherweise wird in Zukunft noch mehr davon kommen.
Die wichtigste Veränderung war sicherlich der Umzug von Winterthur nach Zürich. Obwohl ich schon zuvor Zürich besser kannte als so mancher Stadtzürcher, musste ich anfangs feststellen, dass in Zürich wohnen mehr bedeutet als in Zürich studieren, arbeiten und in den Ausgang gehen. Was den grösseren Wechsel ausmachte war aber nicht der Umzug von einer Stadt zur anderen, sondern der Wegzug ins autonome, quasi elternlose Leben. Zwar war es meine eigene (mehr oder weniger) freiwillige Wahl und mittlerweile habe ich mich hier auch gut eingelebt. Und obwohl ich nun alleine wohne, komme ich mir weniger einsam vor als zuvor. Es ist aber auch so, dass man durch all die neuen Erfahrungen manchmal den Überblick verliert. Es ist zwar alles schön und aufregend, man wünscht sich jedoch in gewissen Momenten, sich nur für einen ganz kurzen Augenblick wieder ins Altbekannte, Vertraute und Wohlige beamen zu können, um kurz durchzuatmen und eine kleine Pause einzulegen.
Um es ein bisschen besser zu erklären: Es ist wie auf Reisen. Man reist von einer neuen, unbekannten Stadt zur anderen. Man ist überwältigt von all den Sehenswürdigkeiten, auf die man sich so gefreut hat. Es ist alles schön und aufregend und so, wie man es sich vorgestellt hat. Doch am wohlsten ist es einem, wenn man sich nach einem erschöpfenden Stadtbummel oder einer erlebnisreichen Nacht für einen Moment in den McDonald's zurückziehen kann und mit vollem Genuss seinen Cheeseburger geniesst. Denn der schmeckt genau gleich wie zu Hause. Bevor man seine Bestellung überhaupt gemacht hat, weiss man schon, was einen erwartet. Auch wenn man tausende Kilometer von Zuhause weg ist. Man ist sich sicher, dass dort der Appetit gestillt werden kann, während man bei unbekannten einheimischen Restaurants eher skeptisch gegenübersteht. Man probiert zwar aus, und schmecken tut es möglicherweise auch. Jedoch weiss man, dass man sich im Zweifelsfall überall auf der Welt auf das grosse, gelbe "M" verlassen kann.
Auf die Mäc-Metapher bezogen kann man sagen, dass ich zur Zeit von einem neuen und unbekannten Restaurant ins andere schlendere. Es ist aufregend, schön, es schmeckt und das, was ich wollte. Im Moment würde ich trotzdem einfach am liebsten einen einfachen, altbewährten Cheeseburger im McDonald's verdrücken.
Am heutigen Abend hatte ich (nur metaphorisch gesehen natürlich!) möglicherweise einen Mäc-Cheesy. Ich war mit meinen liebsten Winti-Leuten in einer altbekannten Zürcher Location, an einer altbekannten Zürcher Party. Es schien alles so zu sein wie früher. Doch während um vier Uhr morgens alle anderen in die altbekannte SN1 Richtung Winti City stiegen, machte ich mich selbständig und ganz autonom auf den Weg zu meinem Nachtbus. Und ja, diesmal fuhr er nicht an mir vorbei. Ich stand ich an der richtigen Haltestelle.

Donnerstag, 13. März 2008

Die 5-Minuten-Romanze (Teil 1)

Hallo zusammen! Aufgrund meines massenhaften Margarita-Konsums vom heutigen Abend möchte ich mich jetzt schon für allfällige Rechtschreibefehler in diesem Post entschuldigen.
In meinem elenden Single-Dasein gibt es immer wieder Momente, an die ich mich gerne zurück erinnere um den Mut im Versager, der ich halt bin, wieder zu erwecken.
Es war einmal vor knapp zwei Jahren an an einem heissen Junisamstag am Turbinenplatz im Kreis 5. Mein Coming-Out war nur einige Monate her (ja, ich brauchte so meine Zeit). Zwei Freunde zerrten mich zur Shell-Tankstelle am Winterthurer Rosenberg und drückten mir einen Martini in die Hand. Naja, Freunde wissen halt, was man so braucht. Was ich damals aber wirklich brauchte, war nicht der Martini, sondern etwas anderes. Trotzdem war die Flasche nach einer Stunde leer.
Es war der Christopher-Street-Day 2006. Die schwulste Erfahrung, die ich bis zum damaligen Zeitpunkt gemacht hatte (und das heisst etwas!). Ein Schock. Fleisch überall. Leider kein Fleisch für mich. Bis ich IHN sah.
Von den Abertausenden Menschen am erwähnten Platz musste ich mir unbedingt IHN aussuchen. Ihn als Augenweide zu beschreiben, ist weit untertrieben. Sagen wir's mal so: Jemand mit solchem Aussehen sollte sich einen Spiegel vor dem Gesicht einbauen lassen, um sich 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche sehen zu dürfen.
Irgendwann nahm ich (unter Androhung meiner Begleitung) meinen ganzen Mut zusammen und sprach ihn an. Er war nicht nur unverschämt gutaussehend, er war auch noch nett. Und Student. Mein Abend endete in Winti, mit meinen Freunden. Ich war stolz auf mich, die Mutprobe bestanden zu haben. Diese fünf Minuten Gespräch waren der damalige Höhepunkt meines schwulen Daseins.
Seither ward er nie wieder gesehen. Ich kannte weder seinen Namen, noch seine Telefonnummer. Nur die Studienrichtung.
Bis eines Tages als ich - so ca. eineinhalb Jahre später - im StudiVZ beim Gruppenklauen ganz zufällig über ein Profil stolperte, dessen Bild mir so bekannt erschien. Und die Studienrichtung passte auch. "Nee, das kann er doch nicht sein!" dachte ich mir. Zur Bestätigung informierte ich den Kolleg, der damals auch mit dabei war (und der übrigens gerade auf dem Sofa einschläft... ich glaube, ein Margarita weniger wäre angebrachter gewesen) und reichte ihm den Link weiter. Ja, er war es.
Gruscheln war eine schlechte Idee. Ihm eine Nachricht zu schreiben kam nicht in Frage. Bin halt 'ne Memme.
Heute Abend sah es anders aus. Und irgendwie kam das Thema wieder zum Vorschein. Wieder unter Androhung von Freunden - hinter mir "Gruscheln! Gruscheln! Gruscheln!" schreiend - nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und sprach ihn wieder an. Diesmal online. Nein, ich habe ihn nicht gegruschelt. Ich habe ihm eine ganz nette Nachricht geschrieben. Danach ging es weiter in den Kreis 5 zur Real-Life-Fleischbeschau.
Jetzt, einige Stunden später, sitze ich vor dem Computer und schreibe diesen Post. Kaum zu Hause angekommen stürmte ich den PC, navigierte zu meinen Lesezeichen und klickte auf "StudiVZ".
Da war eine Nachricht. Und die sah so aus: "Wegen Wartungsarbeiten ist das StudiVZ zwischen 0:00 und 8.00 Uhr nicht erreichbar". Na Prost dann!

Freitag, 7. März 2008

Tupperware

Erstens einmal möchte ich auf diesem Weg "der bald Verheirateten" und ihrem Mann im Voraus zur morgigen Hochzeit ganz herzlich gratulieren. Ja, die Single-Welt beneidet euch! Neben der garantierten Zweisamkeit gibt es in einer Ehe viele weitere Vorzüge, um die wir euch beneiden.
Womit ich beim eigentlichen Thema und dem Single-Aufreger dieser Woche wäre: Seit dem Start dieses Experiments, das ich "Mal schauen, wie es sich so alleine im Ghetto lebt" nenne, musste ich immer vermehrt feststellen, wie diskriminierend gewisse Aspekte unseres Alltags gegenüber Alleinstehenden und -lebenden sind.
Als Paradebeispiel nenne ich hier die Steuererklärung. Ist die rechte "Ehefrau"-Spalte* leer, wird der arme Single wieder mehr zur Kasse gebeten. Oder geh mal als Single in die Migros. Welcher Mensch, der alleine für sich kocht, braucht für sich selber eine ganze Pastasauce, wobei die verbliebene Hälfte nach 2 Tagen im Kühlschrank ungeniessbar wird? Oder 3-4 Portionen Kartoffelstock? Jemals versucht, ein Säckchen Fertig-Stocki zu dritteln? Ich erinnere mich noch an den Tag, kurz vor meinem Umzug, als mir meine Mama in der Ikea dringend dazu riet, Tupperware zu kaufen. "Wofür brauche ich diese ekligen Dinger?", sagte ich mir damals als naiver Tupperware-Verabscheuer. Nun, heute ist Tupperware die einzige Variante, das doppelt bezahlte Essen nicht zur Hälfte wegzuschmeissen. Leider gibt's kein Tupperware, worin ich eine Hälfte der Billag-Gebühren oder der Kosten des ADSL-Anschlusses für den nächsten Monat reservieren kann.
Hiermit gratuliere ich zum Schluss dieses Postings mir selber und allen Singles dieser Welt zur souveränen Bewältigung unseres schwierigen Alltags! Gehe jetzt darauf einen trinken!

*Warum ist in der Steuererklärung die Ehefrau immer noch zweitrangig?

Donnerstag, 28. Februar 2008

Tag der Abrechnung

Monatelang zitterte ich dem heutigen und grausamen, grausamen Tag entgegen. Im Dezember hat man es noch verdrängt, im Januar das Problem bewusst festgestellt und im Februar hatte man immer noch keine Lösung dafür. Aber es dauerte ja noch einige Wochen, bis er endgültig kam und ich hoffte doch so stark, mir würde ja schon irgendetwas einfallen.
Es geht einmal mehr um die nette ZVV, die ja ach so lieb ist, um mich schon vor Wochen auf diesen Tag des Grauens aufmerksam zu machen. Dass ich ihn ja nicht vergesse! In ihrem Brief hiess es: "Lieber Herr ..., ihr ZVV-Netzpass läuft am 27. Februar 2008 ab." Ein paar Zeilen weiter unten konnte man schon ankreuzen, auf welche Art das Abonnement verlängert werden könnte. Gleich noch ein Halbtax dazu? Oder gar ein GA? Wie wär's mit einem 9-Uhr-Pass. Ja, schon blöd wenn einem der Bus unter den Füssen weggezogen wird. Aber mit einer Aboverlängerung wäre das Problem ja gelöst. Nur schnell ein Blick auf den letzten Kontoauszug... hmmm. Nein.

Im Verlauf meines Dilemmas entwickelte ich folgende Lösungsansätze, um auch nach dem Tag des Grauens immer noch mobil bleiben zu können:
  1. Zu Fuss an die Uni
    Vorteil: Flexibilität, Unabhängigkeit vom Bus-/Tramfahrplan
    Nachteil: Zeitraubend, langweilig

  2. Mit dem Velo an die Uni
    Vorteil: Steigert körperliche Aktivität
    Nachteil: Steigert körperliche Aktivität

  3. Lass dich von einer mittelständischen Schweizer Familie adoptieren, um billig ans Familien-GA zu kommen (oder sich dann gleich das GA und das ganze Studium finanzieren lassen)
    Vorteil: Ein GA reicht über die Grenzen von Zone 10 hinaus
    Nachteil: Unmut bei biologischen Eltern

  4. Schwarzfahren
    Vorteil: Kann unter Umständen, wenn man Glück hat, billiger kommen als ein neues Jahresabo
    Nachteil: Seelenverkauf eines bekennenden ÖV-Benutzers

  5. Heiraten, Hausmann werden und die Uni schmeissen
    Vorteil: Sex
    Nachteil: Siehe 3. Ansatz
Heute ist der 28. Februar 2008. Da mir nur der vierte Lösungsansatz als realistisch erschien, es sich aber nicht mit meinem Gewissen vereinbaren liess, entschied ich mich für eine Übergangslösung: Ein Monatsabo für umgerechnet fünf Martiniflaschen. Nun hoffe ich aber immer noch auf ein (finanzielles) Wunder, denn der 27. März 2008 kommt bald. Aber bis dahin wird mir ja schon noch irgendetwas einfallen.

Mittwoch, 20. Februar 2008

Olí, Olé, Olat

"Wer träumt nicht von schönen erotischen Abenteuern. So mancher Traum kann für Sie wahr werden." - Diese ermutigenden Worte aus meinem Tagblatt-LiebesHoroskop durfte ich heute zum Tagesanfang im Bus lesen. Es ist unglaublich ermutigend, schon früh am Morgen an sogenannte Träume erinnert zu werden, die man am Abend vorher hätte ausleben wollen (und können?). Nein, das einzige Erfolgserlebnis des gestrigen Abends war der Moment, in dem der Server der OLAT-Plattformen endlich zu funktionieren schien und man die ach-so wichtige Gruppeneinteilung vornehmen konnte. Hätte ich in den letzten 48 Stunden jedes Mal einen Franken bekommen als in meiner akkustischen Umgebung das Wort OLAT fiel, müsste ich mir keine Gedanken mehr darüber machen, wie ich mein letztes Wochenende vor dem Zahltag finanzieren sollte. Oder die Pflichtlektüre. Ein neues ZVV-Abo wäre auch nicht schlecht.
Wie auch immer. Glücklicherweise wurde bei der nächsten Haltestelle der Bus von jemandem betreten, der die Träume über erotische Abenteuer wieder etwas anregen konnte. Ob das er- oder entmutigend war, sei dahin gestellt. Wenigstens verkürzte es die Busfahrt und die VBZ durfte wieder einmal als Austragungsort einer Fleischbeschau dienen.
Manche fragen sich jetzt natürlich, was ich an einem Mittwochmorgen in einem Bus treibe. Na, schon eine Idee? Ich war auf dem Weg zur grössten Fleischbeschau überhaupt, die diese Woche wieder startete: Die Uni. Was ich über die Uni am meisten mag sind die grossen Vorlesungen in den riesigen Sälen. Wird's mal etwas langatmig und ist das 20-Minuten-Rätsel zumindest schon halbwegs gelöst, lässt man einfach seine Blicke nach links, rechts, oben oder unten wandern und holt sich neuen Stoff für Träume von schönen erotischen Abenteuern (Klammer auf: Liebes Tagblatt-Liebeshoroskop-Team, kommt nach schönen nicht ein Komma? Bei Einwänden bitte Kommentar hinterlassen. Danke. Klammer zu.) Für mich gab es dank neuem Nebenfach natürlich ganz frischen und nie zuvor gesehenen Stoff. Wie schön ein Semesteranfang doch sein kann! Nur ist es so, dass man an einer Universität nicht nur schauen, sondern auch studieren muss. Und das ist auch gut so. An kaum einem anderen Semesteranfang war ich so zuversichtlich wie dieses Mal. Mein Enthusiasmus ist so gross, dass ich zur Premiere sogar einen wöchentlichen Lernplan erstellte (natürlich während einer Vorlesung). In den nächsten dreieinhalb Monaten heisst es für mich: Kurse, Seminare, Gruppenarbeiten, Vorträge und natürlich OLAT, OLAT, OLAT. Das wird ein Riesenspass. Das mit dem Riesenspass würde ich sogar ernst meinen, wäre das Ausmass dieser Anforderungen im wahrscheinlich stressigsten Semester meiner Studienzeit nicht so riesig. Nebenjob dazugerechnet. Und noch gleichzeitig Ausschau nach Fleisch halten? Mein Gott, wie anstrengend das Leben eines studierenden Singles mit beschränkten finanziellen Ressourcen doch sein kann. Wünscht mir viel Glück und Durchhaltevermögen für die kommenden Monate! Oder schickt mir Geld.
Nein, das war natürlich ein Witz. Die, die es ernst meinen: Ich gebe euch gerne meine PayPal-Konto-Daten weiter... ganz im Sinne meines 20-Minuten-Horoskops: "Gehen sie eine neue Aufgabe besser im Team an. Das bringt Erfolge". Mal sehen.

Montag, 11. Februar 2008

56 Minuten

Als ich nach meinem letzten Eintrag zur Amazon Seite navigierte, fielen mir die Porto- und Versandkosten auf, die sieben mal höher sind als der Preis des eigentlichen Buches (Mein Buch gab es als Occasion-Angebot für 99 Cent). Ausserdem dauerte meine letzte Amazon-Lieferung zwei Wochen lang. Innerhalb von zwei Wochen kann ein Mensch drei Mal mit dem Rauchen aufhören und vier Mal wieder anfangen. Oder jemanden kennenlernen und heiraten, der dann die ganze Sucht finanziert, womit sich die Sache mit dem Aufhören erledigt hätte.
Glücklicherweise stand mein erstes, vollkommen freies Wochenende seit Monaten vor der Tür und ich entschied mich, für eine Nacht Zürich den Rücken zu kehren und der vermeintlich ebenfalls fasnachtsfreien Bundesstadt einen Besuch abzustatten. Als Winterthurer (ja, dies ist ein Outing) musste ich mir in meiner prä-stadtzürcherischen Phase den Fasnachtsumzug über mich ergehen lassen, ob ich wollte oder nicht. Ich hörte und las Sachen über den Basler Morgestraich und jeder, der in den letzten Tagen eine Zeitung aufschlug, wusste auch über eine Fasnacht von Locarno bescheid. Aber Fasnacht in Zürich? Zum Glück nicht. In Bern eben so wenig. Tja, da habe ich mich aber gewaltig geirrt.
In der Annahme, von einer fasnachtsfreien Stadt in die andere zu reisen, um dort ein paar Freunde zu besuchen, machte ich mich am Samstag Abend mit einem Martini bewaffnet inklusive guter - und immer noch rauchfreier - Laune auf den Weg Richtung Westen. Für uns Singles kann eine 56minütige Zugfahrt ziemlich einsam werden. So schwang ich vorher meinen Hintern in den Restseller-Bücherladen im Shopville und kaufte mir auf die ganz traditionelle Art das Buch, das "der einfachste Weg" sein soll, "mit dem Rauchen Schluss zu machen". 56 einsame Minuten Hin- und 56 noch einsamere Minuten Rückfahrt später befand ich mich am Sonntagabend in meiner Allen-Carr-Lektüre auf Seite 88. Heute, 24 Stunden später, bin ich bei Kapitel 20 - "Die bedrohlichen schwarzen Schatten" - auf Seite 89.
Ich denke, ich bin auf gutem Wege, obwohl ich zur Zeit über Leichen gehen würde, um nur einen Zug von meinen Marlboros zu erhaschen. Die Tatsache, dass ich gleichzeitig auf Diät bin, macht es noch schwieriger. Daher kann mein schon Mitte Monat praktisch leeres Bankkonto nur ein Segen sein, denn ohne Geld keine Zigaretten. Und ohne Geld kein Essen. Kein Essen heisst keine Verdauungszigarette, womit sich der Kreis wieder schliesst. Na, wenn das so weiter geht, bin ich spätestens zu Ostern rank und schlank und Ex-Raucher. Vielleicht sollte ich meinen Job kündigen, um den Prozess zu beschleunigen? Kommen wir aber zurück zum eigentlichen Sinn dieses Eintrages.
Auch in Bern hielt ich im Unterbewusstsein natürlich Ausschau nach Romanze-Kandidaten (woho, zwei Coming-Outs in einem Post!). Meiner Meinung nach machen wir Singles das automatisch, ohne etwas davon zu merken. Wir betreten einen Raum, scannen jeden Winkel und prägen uns das potenzielle Fleisch ein. Wer den Film "Predator" aus seiner Jugend noch kennt, weiss, wovon ich spreche. Unser ganzes Single-Leben lang sind wir eigentlich unbewusst auf der Suche nach Etwas und Jemandem. In dieser Hinsicht funktioniert Bern nicht anders als Zürich, obwohl kaum aus dem Zug gestiegen grausame Guggenmusik ertönte.
Klar, es gibt Nächte, an denen man einfach Spass mit Freunden haben will, und den auch hat. Aber tief in uns drin hoffen wir trotzdem auf irgendeine "magische" Begegnung. Auch wenn wir ganz einfach einen Abend vor dem Fernseher verbringen, halten wir in unserem Unterbewusstsein Ausschau nach "Fleisch". Der Sprung vom Unterbewussten ins Bewusste findet in dem Moment statt, in dem uns das Fleisch unter die Augen tritt. Ich wende hier den Begriff Fleisch ganz bewusst an, denn in den ersten Sekunden, in denen man seinen Kandidaten entdeckt, ist er nur Fleisch. Erst nachdem man etwas mehr, als nur das Äussere kennenlernt, verschwindet diese Fleischhülle (aber nur grösstenteils) und darunter befindet sich tatsächlich eine Person. Aus Fleisch und Blut. Und Persönlichkeit. Aber so weit kommt es leider zu selten.
Wozu aber die ganze Suche? Warum müssen wir unbedingt jemanden haben, um uns vollkommen zu fühlen? Warum gibt es Menschen, die sich bei "Wer wird Millionär - Blind Date Special" (kein Witz, ich habe es heute Abend in der Glotze verfolgt) - oder noch schlimmer: "SwissDate" - vor der ganzen Nation zum Trottel machen, nur weil da eine kitzekleine Möglichkeit besteht, ihr Single-Dasein zu beenden? Setzen wir doch lieber unserer "Selbstversklavung" ein Ende! Es ist natürlich kein Zufall, dass auch Allen Carr in "Endlich Nichtraucher!" das Phänomän der Selbstversklavung beschreibt. Denn manchmal kommt mir die - egal ob bewusste oder unbewusste - Suche nach etwas, wovon wir gar nicht wissen, wie es ist, wenn es mal wirklich funktionieren sollte, vor wie die Zigarettensucht. Die Angst, die den Raucher packt, wenn er sich fragt, ob sein Päckchen auch wirklich für den ganzen Abend reicht, lässt sich äusserst gut mit der Angst vergleichen, die wir Singles haben, wenn wir daran denken, heute Abend nach dem Ausgang wieder alleine nach Hause gehen zu müssen. Es ist wie ein Schatten, der über uns wacht. Uns wird seit der Kindheit eine Gehirnwäsche mit Hilfe von Werbung, Filmen, Liebesliedern und anderen Elementen der populären Kultur verpasst, die uns lehrt, dass wir erst dann erwachsen, glücklich und vollkommen sind, wenn wir uns das Leben mit jemandem teilen und nicht einsam sterben. Bullshit! Wir brauchen keine "zweite Hälfte" zu suchen, weil wir schon alle Teile besitzen. Wir müssen endlich vom Gedanken wegkommen, dass wir ohne Die- oder Denjenigen nur halb vollkommen sind. Stellen wir uns einfach vor, wir seien als Alleinstehende (der negative Beigeschmack dieses grässlichen Wortes beweist schon, dass die Gehirnwäsche funktioniert) schon ein Ganzes. Und ein zweites Ganzes würde unser Leben wahrscheinlich etwas verschönern. Denn zwei Ganze ist besser als ein Ganzes. Aber wir brauchen das zweite Ganze nicht, um uns zu entfalten und vollkommen fühlen zu können. Betrachten wir es einfach als einen Bonus.
Ein kleiner Tipp von mir an alle Singles dieser Welt: Geht raus und geniesst das Leben! Geniesst den Moment, denkt an all das positive, dass euch widerfährt. Verschwendet keinen Gedanken daran, was ihr nicht habt. Blendet mal das, was ihr für negativ haltet, ganz aus und habt Spass an eurem Leben.

Freitag, 8. Februar 2008

Kaffee & ...

Ganz spontan traf ich diese Woche die Entscheidung, den Glimmstängel an den Nagel zu hängen. Bisherige Bilanz: Zwei Päckchen Zigaretten seit letzten Samstag, total clean seit 48 Stunden. Ich befinde mich zur Zeit bei der Arbeit. Vor einer Stunde erfuhr ich, dass sich hinten im Büro in der Schublade unserer Direktionsassistentin ein Notfallpäckchen Parisienne Mild befindet. Während vor meiner Nase eine heute 75 jährig gewordene Baslerin vom André Rieu Konzert gerade Freundschaft schliesst mit einer 30plus-Schwarzwälderin - auch André Rieu Fan - und die sich über deutsches (?) Rösti, den Traummann, der auch mit 75 nicht kommt, und natürlich über André Rieu unterhalten, haucht dieses Parisienne Mild Päckchen ganz leise "Nimm mich, nimm mich!" von da hinten. Meine volle Kaffeetasse steht seit einer Stunde herum. Denn Kaffee ohne Zigarette geht einfach nicht.
Damit ich mit 75 nicht als verzweifelter Suchender nach dem perfekten Kaffee zu meiner Zigarette ende, fand diese Woche eine kleine Intervention statt. Denn zu Hause auf dem Sofa wird das Single-Dasein nie ein Ende finden. Auch nicht während der Arbeit (obwohl es manchmal so schien). Und schon gar nicht an der Uni. Mit dem besten Freund im Gepäck und Blut im Margarita, der durch meine Arterien floss, machte ich mich auf den Weg zur Fleischbeschau irgendwo im Kreis 5. Und was für eine Schau es war. Der Raum war gefüllt mit 9ern und 10ern. Alleine des Guckens wegen war es das wert. Leider entwickelte sich die Schau nicht zu Fleisch. Meine innere Memme liess das nicht zu. Die primären Ziele des Abends wurden aber trotzdem erreicht, nämlich der kleine Tapetenwechsel, das Schnuppern nach Neuem und der eine oder andere Tagtraum von gewissen Kandidaten, die an jenem Abend gesichtet wurden. Es war auch der Abend, an dem ich meine vorerst letzte Zigarette geraucht habe.
Die Schwarzwald-Basel-Connection ist schon im Bett, das Parisienne Mild Päckchen bedauerlicherweise nicht. Nun folge ich dem Rat einer Arbeitskollegin (es ist die gleiche böse Person, die mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass da hinten eine Packung Parisienne Mild herumsteht) und bestelle mir das berühmt berüchtigte "Endlich Nichtraucher"-Buch bei Amazon. Ich denke, wo ein Wille ist, muss doch auch ein Weg sein. Deswegen probiere ich verschiedene Wege aus, um zum Willen zu kommen. In der Zwischenzeit verdrück ich mich hinten ins Büro mit meinem neuen, frischen Kaffee. Punkt.

Samstag, 2. Februar 2008

One-Night-Stand

Nein, ich hatte diese Nacht keinen. Leider. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinne.
Es hätte eigentlich ein gemütlicher, trinkreicher Freitagabend mit ein paar Freunden werden sollen. Das war er auch, bis zu dem Moment, in dem die Heimkehr auf dem Programm stand. Ganz brav lösten wir unseren ZVV-Nachtzuschlag (nein, wir haben kein ZKB-Konto, und ja, wir sind schon zu alt für eine ZKB-Nightcard), machten uns auf den Weg zum Sihlquai und warteten dort im giessenden Schneeregen auf unseren Nachtbus. Der kam nicht. Lag es daran, dass der Netzplan aus dem Jahre 2005 stammt? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Nach einem "Aha"-Moment stressten wir zum Bahnhofquai, um dort unseren Bus inklusive grinsenden Chauffeur an uns vorbeifahren zu sehen. Es war vier Uhr Morgens. Letzte Option: Taxi. Konsequenz: Eliminierung des ZVV-Links von diesem Blog und eine wütende E-Mail an ZVV-Contact. Nachtzuschlag und Taxigebühr? Zu viel des Guten für einen armen Studenten, der über ein Jahr braucht, um Schulden in Höhe von 250 Franken zurückzuzahlen.
Jetzt aber zurück zum eigentlichen Thema. Heute Abend fanden wie immer sehr intime Gespräche über sehr intime Themen statt. Eines davon war der One-Night-Stand. Um ganz ehrlich zu sein: Mit meinem elenden Single-Dasein bin ich längstens am Punkt angelangt, an dem ich meine Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit in den Hintergrund stelle und bereit dafür bin, meine körperlichen Bedürfnisse, die nun mal da sind (und jeder, der dies bestreitet, ist ein Heuchler), mit einer wildfremden Person zu stillen. Nur leider bin ich nicht der Typ dafür. Ja, es gibt Momente, da dreht sich alles um Sex, Sex, Sex. Wenn es aber ernst gilt und von Taten die Rede ist, bin ich die Heilige Jungfrau Maria. Das bedauere ich manchmal. Meiner Meinung nach wäre Sex - unausgelebte sexuelle Fantasien nicht inbegriffen - ohne das Drumherum für mich schlicht und einfach nicht erfüllend. Es geht nicht darum, dass ich mich nach einer Beziehung sehne. Im Gegenteil. Eine ernsthafte Beziehung wäre für mich zum jetzigen Zeitpunkt völlig undenkbar. Warum wird aber die Grenze zwischen einem One-Night-Stand und dem L-Wort so radikal gezogen? Gibt es da kein Zwischending?
Wonach sich viele beziehungsunfähige Singles am meisten sehnen ist die körperliche Nähe und Zärtlichkeit. Ja, auch Leidenschaft. Nein, nicht nur Sex. Ich rede vom Gedanken, mit jemandem in den Armen einzuschlafen und wieder aufzuwachen, die interpersonale Chemie bis aufs letzte Molekül zu spüren. Und mit solchen Gedanken ist man erst recht unfähig, einen One-Night-Stand zu haben, denn ein One-Night-Stand gibt nicht so viel hin. Ein One-Night-Stand verschwindet, sobald die Show vorbei ist. Ein One-Night-Stand fragt nicht, wie es dir geht - die einzige Frage, die er stellt ist "Na, wie war ich?". Für einen One-Night-Stand ist Chemie ein Fremdwort. Rein, raus und fertig. Wer höhere Erwartungen an einen One-Night-Stand stellt, sollte keine One-Night-Stands haben. Werden die Erwartungen trotzdem erfüllt, ist es kein One-Night-Stand mehr. One-Night-Stands, bei denen nicht Sex sondern rein die gegenseitige Zuneigung die vorrangige Rolle spielt, gibt es nicht. All diese Gründe und noch viele weitere führen dazu, dass ich keine One-Night-Stands habe, egal wie notgeil ich bin.
Keine One-Night-Stands, auch keine Beziehung, aber trotzdem körperliche Nähe, Leidenschaft und eine gewisse Dauerhaftigkeit? Ich bin zum Schluss gekommen, dass für mich zur Zeit eine Romanze als "Zwischending" die perfekte Option wäre, wenn es denn zur Option stehen würde. Was aber nicht ist, kann ja noch werden...

Donnerstag, 31. Januar 2008

Weichgespült

Das mit dem Studieren ist wie Wäsche waschen. Kaum ist die saubere Wäsche an die Leine aufgehängt, ist der nächste Waschgang schon im Anmarsch. Lässt man es sein, hat man - wie in meinem Fall - für den nächsten Monat keine sauberen Klamotten. Das gleiche Szenario an der Uni: Kaum ist die letzte Semesterprüfung vorbei, muss sich der Student den Kopf über die nächste Modulbuchung zerbrechen. Ist die Entscheidung gefallen und die Semestergebühr endlich bezahlt, kommt die Erkenntnis, dass man sich zu viel vorgenommen hat. Ein Kopfumdrehen später sitzt man schon im Vorlesungssaal mit einem Haufen Blätter mit so komischen Fragen vor der Nase.
Ja, heute war Waschtag. Und mir wurde bewusst, wie egoistisch wir Menschen sind. Zum ersten Mal seit es hiess "Bye bye, Hotel Mama" habe ich meinen Stolz überwunden und eine Flasche Weichspüler gekauft. Kann mir doch egal sein, dass das Grundwasser verschmutzt und den Fischen im Zürisee geschadet wird. Hauptsache meine Socken schmecken wie Marshmallows aus Sumatra.
Auch in anderen Fragen neigen wir Menschen dazu, unsere Prinzipien über Bord zu werfen, sobald sich dadurch ein Vorteil für uns ergibt. Streiken die Bauarbeiter, ist man natürlich auf der Seite der Gewerkschaften. Auch wenn es einen nicht direkt betrifft. Aber wehe wenn wieder am Montag Morgen keine brandneue Folge von "Desperate Housewives" downloadbereit im Netz steht. Diese verdammten Drehbuchautoren! Recycling von Petflaschen? Natürlich! Tut man es aber der Umwelt zuliebe oder um Zürisäcke zu sparen?
Wir geben es nicht zu, aber wir sind alle Egoisten. Die einen mehr, die anderen weniger. Egoistische Taten, die nach Aussen als unegoistisch gelten, biegen wir uns so zu Recht, um im Lichte der Selbstlosigkeit zu glühen.

Dienstag, 29. Januar 2008

Kreativitätsorgasmus

Nach jahrelangem Hin und Her konnte ich mich heute endlich aufraffen und meinen eigenen Blog eröffnen. Ist es das schöne Wetter - und die daraus folgende gute Laune -, die Langweile oder die Tatsache, dass man sich in den Semesterferien endlich mal Zeit für sich selber nimmt, die zu diesem Posting geführt haben? Ich weiss es nicht.
In den letzten Tagen überkam mich ein regelrechter Sturm, gefüllt mit Tausenden Ideen und Vorhaben. Die Situation spitzte sich immer mehr zu, das fesselnde Gefühl, mich der anonymen Internetwelt schriftlich offenbaren zu wollen, stieg mit den Stunden exponentiell in zuvor unbekannte Höhen an. So dachte ich mir: Schreib einen Blog oder explodiere!
Nun sitze ich hier an diesem wunderschönen Dienstagmorgen vor meinem Laptop, mit dem grünen Aschenbecher und einer halbleeren Packung Marlboro Lights ('tschuldigung, es heisst ja jetzt Marlboro Gold!) zu meiner Rechten und einem mit dem selber-mit-dem-Ikea-Milchschäumer-gemachten Cappuccino zu meiner Linken. Es ist wieder Zeit für Kaffee und Zigaretten!
Ich wünsche euch, wenn es euch irgendwo da draussen gibt, viel Spass beim Lesen dieses Blogs und mir weitere solche Kreativitätsschübe, damit ich auch in Zukunft zum Volk sprechen kann.