Donnerstag, 28. Februar 2008

Tag der Abrechnung

Monatelang zitterte ich dem heutigen und grausamen, grausamen Tag entgegen. Im Dezember hat man es noch verdrängt, im Januar das Problem bewusst festgestellt und im Februar hatte man immer noch keine Lösung dafür. Aber es dauerte ja noch einige Wochen, bis er endgültig kam und ich hoffte doch so stark, mir würde ja schon irgendetwas einfallen.
Es geht einmal mehr um die nette ZVV, die ja ach so lieb ist, um mich schon vor Wochen auf diesen Tag des Grauens aufmerksam zu machen. Dass ich ihn ja nicht vergesse! In ihrem Brief hiess es: "Lieber Herr ..., ihr ZVV-Netzpass läuft am 27. Februar 2008 ab." Ein paar Zeilen weiter unten konnte man schon ankreuzen, auf welche Art das Abonnement verlängert werden könnte. Gleich noch ein Halbtax dazu? Oder gar ein GA? Wie wär's mit einem 9-Uhr-Pass. Ja, schon blöd wenn einem der Bus unter den Füssen weggezogen wird. Aber mit einer Aboverlängerung wäre das Problem ja gelöst. Nur schnell ein Blick auf den letzten Kontoauszug... hmmm. Nein.

Im Verlauf meines Dilemmas entwickelte ich folgende Lösungsansätze, um auch nach dem Tag des Grauens immer noch mobil bleiben zu können:
  1. Zu Fuss an die Uni
    Vorteil: Flexibilität, Unabhängigkeit vom Bus-/Tramfahrplan
    Nachteil: Zeitraubend, langweilig

  2. Mit dem Velo an die Uni
    Vorteil: Steigert körperliche Aktivität
    Nachteil: Steigert körperliche Aktivität

  3. Lass dich von einer mittelständischen Schweizer Familie adoptieren, um billig ans Familien-GA zu kommen (oder sich dann gleich das GA und das ganze Studium finanzieren lassen)
    Vorteil: Ein GA reicht über die Grenzen von Zone 10 hinaus
    Nachteil: Unmut bei biologischen Eltern

  4. Schwarzfahren
    Vorteil: Kann unter Umständen, wenn man Glück hat, billiger kommen als ein neues Jahresabo
    Nachteil: Seelenverkauf eines bekennenden ÖV-Benutzers

  5. Heiraten, Hausmann werden und die Uni schmeissen
    Vorteil: Sex
    Nachteil: Siehe 3. Ansatz
Heute ist der 28. Februar 2008. Da mir nur der vierte Lösungsansatz als realistisch erschien, es sich aber nicht mit meinem Gewissen vereinbaren liess, entschied ich mich für eine Übergangslösung: Ein Monatsabo für umgerechnet fünf Martiniflaschen. Nun hoffe ich aber immer noch auf ein (finanzielles) Wunder, denn der 27. März 2008 kommt bald. Aber bis dahin wird mir ja schon noch irgendetwas einfallen.

Mittwoch, 20. Februar 2008

Olí, Olé, Olat

"Wer träumt nicht von schönen erotischen Abenteuern. So mancher Traum kann für Sie wahr werden." - Diese ermutigenden Worte aus meinem Tagblatt-LiebesHoroskop durfte ich heute zum Tagesanfang im Bus lesen. Es ist unglaublich ermutigend, schon früh am Morgen an sogenannte Träume erinnert zu werden, die man am Abend vorher hätte ausleben wollen (und können?). Nein, das einzige Erfolgserlebnis des gestrigen Abends war der Moment, in dem der Server der OLAT-Plattformen endlich zu funktionieren schien und man die ach-so wichtige Gruppeneinteilung vornehmen konnte. Hätte ich in den letzten 48 Stunden jedes Mal einen Franken bekommen als in meiner akkustischen Umgebung das Wort OLAT fiel, müsste ich mir keine Gedanken mehr darüber machen, wie ich mein letztes Wochenende vor dem Zahltag finanzieren sollte. Oder die Pflichtlektüre. Ein neues ZVV-Abo wäre auch nicht schlecht.
Wie auch immer. Glücklicherweise wurde bei der nächsten Haltestelle der Bus von jemandem betreten, der die Träume über erotische Abenteuer wieder etwas anregen konnte. Ob das er- oder entmutigend war, sei dahin gestellt. Wenigstens verkürzte es die Busfahrt und die VBZ durfte wieder einmal als Austragungsort einer Fleischbeschau dienen.
Manche fragen sich jetzt natürlich, was ich an einem Mittwochmorgen in einem Bus treibe. Na, schon eine Idee? Ich war auf dem Weg zur grössten Fleischbeschau überhaupt, die diese Woche wieder startete: Die Uni. Was ich über die Uni am meisten mag sind die grossen Vorlesungen in den riesigen Sälen. Wird's mal etwas langatmig und ist das 20-Minuten-Rätsel zumindest schon halbwegs gelöst, lässt man einfach seine Blicke nach links, rechts, oben oder unten wandern und holt sich neuen Stoff für Träume von schönen erotischen Abenteuern (Klammer auf: Liebes Tagblatt-Liebeshoroskop-Team, kommt nach schönen nicht ein Komma? Bei Einwänden bitte Kommentar hinterlassen. Danke. Klammer zu.) Für mich gab es dank neuem Nebenfach natürlich ganz frischen und nie zuvor gesehenen Stoff. Wie schön ein Semesteranfang doch sein kann! Nur ist es so, dass man an einer Universität nicht nur schauen, sondern auch studieren muss. Und das ist auch gut so. An kaum einem anderen Semesteranfang war ich so zuversichtlich wie dieses Mal. Mein Enthusiasmus ist so gross, dass ich zur Premiere sogar einen wöchentlichen Lernplan erstellte (natürlich während einer Vorlesung). In den nächsten dreieinhalb Monaten heisst es für mich: Kurse, Seminare, Gruppenarbeiten, Vorträge und natürlich OLAT, OLAT, OLAT. Das wird ein Riesenspass. Das mit dem Riesenspass würde ich sogar ernst meinen, wäre das Ausmass dieser Anforderungen im wahrscheinlich stressigsten Semester meiner Studienzeit nicht so riesig. Nebenjob dazugerechnet. Und noch gleichzeitig Ausschau nach Fleisch halten? Mein Gott, wie anstrengend das Leben eines studierenden Singles mit beschränkten finanziellen Ressourcen doch sein kann. Wünscht mir viel Glück und Durchhaltevermögen für die kommenden Monate! Oder schickt mir Geld.
Nein, das war natürlich ein Witz. Die, die es ernst meinen: Ich gebe euch gerne meine PayPal-Konto-Daten weiter... ganz im Sinne meines 20-Minuten-Horoskops: "Gehen sie eine neue Aufgabe besser im Team an. Das bringt Erfolge". Mal sehen.

Montag, 11. Februar 2008

56 Minuten

Als ich nach meinem letzten Eintrag zur Amazon Seite navigierte, fielen mir die Porto- und Versandkosten auf, die sieben mal höher sind als der Preis des eigentlichen Buches (Mein Buch gab es als Occasion-Angebot für 99 Cent). Ausserdem dauerte meine letzte Amazon-Lieferung zwei Wochen lang. Innerhalb von zwei Wochen kann ein Mensch drei Mal mit dem Rauchen aufhören und vier Mal wieder anfangen. Oder jemanden kennenlernen und heiraten, der dann die ganze Sucht finanziert, womit sich die Sache mit dem Aufhören erledigt hätte.
Glücklicherweise stand mein erstes, vollkommen freies Wochenende seit Monaten vor der Tür und ich entschied mich, für eine Nacht Zürich den Rücken zu kehren und der vermeintlich ebenfalls fasnachtsfreien Bundesstadt einen Besuch abzustatten. Als Winterthurer (ja, dies ist ein Outing) musste ich mir in meiner prä-stadtzürcherischen Phase den Fasnachtsumzug über mich ergehen lassen, ob ich wollte oder nicht. Ich hörte und las Sachen über den Basler Morgestraich und jeder, der in den letzten Tagen eine Zeitung aufschlug, wusste auch über eine Fasnacht von Locarno bescheid. Aber Fasnacht in Zürich? Zum Glück nicht. In Bern eben so wenig. Tja, da habe ich mich aber gewaltig geirrt.
In der Annahme, von einer fasnachtsfreien Stadt in die andere zu reisen, um dort ein paar Freunde zu besuchen, machte ich mich am Samstag Abend mit einem Martini bewaffnet inklusive guter - und immer noch rauchfreier - Laune auf den Weg Richtung Westen. Für uns Singles kann eine 56minütige Zugfahrt ziemlich einsam werden. So schwang ich vorher meinen Hintern in den Restseller-Bücherladen im Shopville und kaufte mir auf die ganz traditionelle Art das Buch, das "der einfachste Weg" sein soll, "mit dem Rauchen Schluss zu machen". 56 einsame Minuten Hin- und 56 noch einsamere Minuten Rückfahrt später befand ich mich am Sonntagabend in meiner Allen-Carr-Lektüre auf Seite 88. Heute, 24 Stunden später, bin ich bei Kapitel 20 - "Die bedrohlichen schwarzen Schatten" - auf Seite 89.
Ich denke, ich bin auf gutem Wege, obwohl ich zur Zeit über Leichen gehen würde, um nur einen Zug von meinen Marlboros zu erhaschen. Die Tatsache, dass ich gleichzeitig auf Diät bin, macht es noch schwieriger. Daher kann mein schon Mitte Monat praktisch leeres Bankkonto nur ein Segen sein, denn ohne Geld keine Zigaretten. Und ohne Geld kein Essen. Kein Essen heisst keine Verdauungszigarette, womit sich der Kreis wieder schliesst. Na, wenn das so weiter geht, bin ich spätestens zu Ostern rank und schlank und Ex-Raucher. Vielleicht sollte ich meinen Job kündigen, um den Prozess zu beschleunigen? Kommen wir aber zurück zum eigentlichen Sinn dieses Eintrages.
Auch in Bern hielt ich im Unterbewusstsein natürlich Ausschau nach Romanze-Kandidaten (woho, zwei Coming-Outs in einem Post!). Meiner Meinung nach machen wir Singles das automatisch, ohne etwas davon zu merken. Wir betreten einen Raum, scannen jeden Winkel und prägen uns das potenzielle Fleisch ein. Wer den Film "Predator" aus seiner Jugend noch kennt, weiss, wovon ich spreche. Unser ganzes Single-Leben lang sind wir eigentlich unbewusst auf der Suche nach Etwas und Jemandem. In dieser Hinsicht funktioniert Bern nicht anders als Zürich, obwohl kaum aus dem Zug gestiegen grausame Guggenmusik ertönte.
Klar, es gibt Nächte, an denen man einfach Spass mit Freunden haben will, und den auch hat. Aber tief in uns drin hoffen wir trotzdem auf irgendeine "magische" Begegnung. Auch wenn wir ganz einfach einen Abend vor dem Fernseher verbringen, halten wir in unserem Unterbewusstsein Ausschau nach "Fleisch". Der Sprung vom Unterbewussten ins Bewusste findet in dem Moment statt, in dem uns das Fleisch unter die Augen tritt. Ich wende hier den Begriff Fleisch ganz bewusst an, denn in den ersten Sekunden, in denen man seinen Kandidaten entdeckt, ist er nur Fleisch. Erst nachdem man etwas mehr, als nur das Äussere kennenlernt, verschwindet diese Fleischhülle (aber nur grösstenteils) und darunter befindet sich tatsächlich eine Person. Aus Fleisch und Blut. Und Persönlichkeit. Aber so weit kommt es leider zu selten.
Wozu aber die ganze Suche? Warum müssen wir unbedingt jemanden haben, um uns vollkommen zu fühlen? Warum gibt es Menschen, die sich bei "Wer wird Millionär - Blind Date Special" (kein Witz, ich habe es heute Abend in der Glotze verfolgt) - oder noch schlimmer: "SwissDate" - vor der ganzen Nation zum Trottel machen, nur weil da eine kitzekleine Möglichkeit besteht, ihr Single-Dasein zu beenden? Setzen wir doch lieber unserer "Selbstversklavung" ein Ende! Es ist natürlich kein Zufall, dass auch Allen Carr in "Endlich Nichtraucher!" das Phänomän der Selbstversklavung beschreibt. Denn manchmal kommt mir die - egal ob bewusste oder unbewusste - Suche nach etwas, wovon wir gar nicht wissen, wie es ist, wenn es mal wirklich funktionieren sollte, vor wie die Zigarettensucht. Die Angst, die den Raucher packt, wenn er sich fragt, ob sein Päckchen auch wirklich für den ganzen Abend reicht, lässt sich äusserst gut mit der Angst vergleichen, die wir Singles haben, wenn wir daran denken, heute Abend nach dem Ausgang wieder alleine nach Hause gehen zu müssen. Es ist wie ein Schatten, der über uns wacht. Uns wird seit der Kindheit eine Gehirnwäsche mit Hilfe von Werbung, Filmen, Liebesliedern und anderen Elementen der populären Kultur verpasst, die uns lehrt, dass wir erst dann erwachsen, glücklich und vollkommen sind, wenn wir uns das Leben mit jemandem teilen und nicht einsam sterben. Bullshit! Wir brauchen keine "zweite Hälfte" zu suchen, weil wir schon alle Teile besitzen. Wir müssen endlich vom Gedanken wegkommen, dass wir ohne Die- oder Denjenigen nur halb vollkommen sind. Stellen wir uns einfach vor, wir seien als Alleinstehende (der negative Beigeschmack dieses grässlichen Wortes beweist schon, dass die Gehirnwäsche funktioniert) schon ein Ganzes. Und ein zweites Ganzes würde unser Leben wahrscheinlich etwas verschönern. Denn zwei Ganze ist besser als ein Ganzes. Aber wir brauchen das zweite Ganze nicht, um uns zu entfalten und vollkommen fühlen zu können. Betrachten wir es einfach als einen Bonus.
Ein kleiner Tipp von mir an alle Singles dieser Welt: Geht raus und geniesst das Leben! Geniesst den Moment, denkt an all das positive, dass euch widerfährt. Verschwendet keinen Gedanken daran, was ihr nicht habt. Blendet mal das, was ihr für negativ haltet, ganz aus und habt Spass an eurem Leben.

Freitag, 8. Februar 2008

Kaffee & ...

Ganz spontan traf ich diese Woche die Entscheidung, den Glimmstängel an den Nagel zu hängen. Bisherige Bilanz: Zwei Päckchen Zigaretten seit letzten Samstag, total clean seit 48 Stunden. Ich befinde mich zur Zeit bei der Arbeit. Vor einer Stunde erfuhr ich, dass sich hinten im Büro in der Schublade unserer Direktionsassistentin ein Notfallpäckchen Parisienne Mild befindet. Während vor meiner Nase eine heute 75 jährig gewordene Baslerin vom André Rieu Konzert gerade Freundschaft schliesst mit einer 30plus-Schwarzwälderin - auch André Rieu Fan - und die sich über deutsches (?) Rösti, den Traummann, der auch mit 75 nicht kommt, und natürlich über André Rieu unterhalten, haucht dieses Parisienne Mild Päckchen ganz leise "Nimm mich, nimm mich!" von da hinten. Meine volle Kaffeetasse steht seit einer Stunde herum. Denn Kaffee ohne Zigarette geht einfach nicht.
Damit ich mit 75 nicht als verzweifelter Suchender nach dem perfekten Kaffee zu meiner Zigarette ende, fand diese Woche eine kleine Intervention statt. Denn zu Hause auf dem Sofa wird das Single-Dasein nie ein Ende finden. Auch nicht während der Arbeit (obwohl es manchmal so schien). Und schon gar nicht an der Uni. Mit dem besten Freund im Gepäck und Blut im Margarita, der durch meine Arterien floss, machte ich mich auf den Weg zur Fleischbeschau irgendwo im Kreis 5. Und was für eine Schau es war. Der Raum war gefüllt mit 9ern und 10ern. Alleine des Guckens wegen war es das wert. Leider entwickelte sich die Schau nicht zu Fleisch. Meine innere Memme liess das nicht zu. Die primären Ziele des Abends wurden aber trotzdem erreicht, nämlich der kleine Tapetenwechsel, das Schnuppern nach Neuem und der eine oder andere Tagtraum von gewissen Kandidaten, die an jenem Abend gesichtet wurden. Es war auch der Abend, an dem ich meine vorerst letzte Zigarette geraucht habe.
Die Schwarzwald-Basel-Connection ist schon im Bett, das Parisienne Mild Päckchen bedauerlicherweise nicht. Nun folge ich dem Rat einer Arbeitskollegin (es ist die gleiche böse Person, die mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass da hinten eine Packung Parisienne Mild herumsteht) und bestelle mir das berühmt berüchtigte "Endlich Nichtraucher"-Buch bei Amazon. Ich denke, wo ein Wille ist, muss doch auch ein Weg sein. Deswegen probiere ich verschiedene Wege aus, um zum Willen zu kommen. In der Zwischenzeit verdrück ich mich hinten ins Büro mit meinem neuen, frischen Kaffee. Punkt.

Samstag, 2. Februar 2008

One-Night-Stand

Nein, ich hatte diese Nacht keinen. Leider. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinne.
Es hätte eigentlich ein gemütlicher, trinkreicher Freitagabend mit ein paar Freunden werden sollen. Das war er auch, bis zu dem Moment, in dem die Heimkehr auf dem Programm stand. Ganz brav lösten wir unseren ZVV-Nachtzuschlag (nein, wir haben kein ZKB-Konto, und ja, wir sind schon zu alt für eine ZKB-Nightcard), machten uns auf den Weg zum Sihlquai und warteten dort im giessenden Schneeregen auf unseren Nachtbus. Der kam nicht. Lag es daran, dass der Netzplan aus dem Jahre 2005 stammt? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Nach einem "Aha"-Moment stressten wir zum Bahnhofquai, um dort unseren Bus inklusive grinsenden Chauffeur an uns vorbeifahren zu sehen. Es war vier Uhr Morgens. Letzte Option: Taxi. Konsequenz: Eliminierung des ZVV-Links von diesem Blog und eine wütende E-Mail an ZVV-Contact. Nachtzuschlag und Taxigebühr? Zu viel des Guten für einen armen Studenten, der über ein Jahr braucht, um Schulden in Höhe von 250 Franken zurückzuzahlen.
Jetzt aber zurück zum eigentlichen Thema. Heute Abend fanden wie immer sehr intime Gespräche über sehr intime Themen statt. Eines davon war der One-Night-Stand. Um ganz ehrlich zu sein: Mit meinem elenden Single-Dasein bin ich längstens am Punkt angelangt, an dem ich meine Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit in den Hintergrund stelle und bereit dafür bin, meine körperlichen Bedürfnisse, die nun mal da sind (und jeder, der dies bestreitet, ist ein Heuchler), mit einer wildfremden Person zu stillen. Nur leider bin ich nicht der Typ dafür. Ja, es gibt Momente, da dreht sich alles um Sex, Sex, Sex. Wenn es aber ernst gilt und von Taten die Rede ist, bin ich die Heilige Jungfrau Maria. Das bedauere ich manchmal. Meiner Meinung nach wäre Sex - unausgelebte sexuelle Fantasien nicht inbegriffen - ohne das Drumherum für mich schlicht und einfach nicht erfüllend. Es geht nicht darum, dass ich mich nach einer Beziehung sehne. Im Gegenteil. Eine ernsthafte Beziehung wäre für mich zum jetzigen Zeitpunkt völlig undenkbar. Warum wird aber die Grenze zwischen einem One-Night-Stand und dem L-Wort so radikal gezogen? Gibt es da kein Zwischending?
Wonach sich viele beziehungsunfähige Singles am meisten sehnen ist die körperliche Nähe und Zärtlichkeit. Ja, auch Leidenschaft. Nein, nicht nur Sex. Ich rede vom Gedanken, mit jemandem in den Armen einzuschlafen und wieder aufzuwachen, die interpersonale Chemie bis aufs letzte Molekül zu spüren. Und mit solchen Gedanken ist man erst recht unfähig, einen One-Night-Stand zu haben, denn ein One-Night-Stand gibt nicht so viel hin. Ein One-Night-Stand verschwindet, sobald die Show vorbei ist. Ein One-Night-Stand fragt nicht, wie es dir geht - die einzige Frage, die er stellt ist "Na, wie war ich?". Für einen One-Night-Stand ist Chemie ein Fremdwort. Rein, raus und fertig. Wer höhere Erwartungen an einen One-Night-Stand stellt, sollte keine One-Night-Stands haben. Werden die Erwartungen trotzdem erfüllt, ist es kein One-Night-Stand mehr. One-Night-Stands, bei denen nicht Sex sondern rein die gegenseitige Zuneigung die vorrangige Rolle spielt, gibt es nicht. All diese Gründe und noch viele weitere führen dazu, dass ich keine One-Night-Stands habe, egal wie notgeil ich bin.
Keine One-Night-Stands, auch keine Beziehung, aber trotzdem körperliche Nähe, Leidenschaft und eine gewisse Dauerhaftigkeit? Ich bin zum Schluss gekommen, dass für mich zur Zeit eine Romanze als "Zwischending" die perfekte Option wäre, wenn es denn zur Option stehen würde. Was aber nicht ist, kann ja noch werden...