Montag, 28. April 2008

Frühlingssünden

In ziemlich genau 24 Stunden muss ich eine kleine Arbeit für die Uni abgeben und das einzige, womit ich bisher die Word-Vorlage beschmückt habe, ist das Titelblatt. Der Nachteil bei solchen Arbeiten ist die Tatsache, dass sie am Computer geschrieben werden müssen. Denn schon ein Blick auf die Taskleiste kann verhängnisvoll werden. Und schwupps bin ich hier bei blogger.com und merke, dass mein letzter Eintrag einige Zeit zurückliegt. Ausserdem ist das Wetter draussen so schön, dass die Intervalle meiner Zigarettenpausen (Pause wovon?) auf dem Balkon immer kürzer werden. Und ausgerechnet heute müssen alle Hauswärte des Quartiers ihre verstaubten Rasenmäher aus den Kellern hervorziehen. Alles sehr unvorteilhafte Bedingungen für eine Uni-Arbeit.
Wie auch immer, es ist Frühling! Und an meinem ersten freien Sonntag seit Monaten sah ich mich gesteren Nachmittag gezwungen, etwas Sonne zu tanken. Die anfängliche Motivation, an einem verkaterten Sonntagmittag das Bett zu verlassen war nicht die Uni-Arbeit, sondern der Hunger und der leere Kühlschrank. Nach einem fettigen Riesen-Fast-Food-Sandwich (Sünde Nummer 1) migrierte ich zum Hauptbahnhof in die total überfüllte Migros (Sünde Nummer 2: Nicht-Vollkorn-Teigwaren) und zum ersten Mal in diesem Jahr spürte ich einen Hauch von Sommer. Und zum ersten Mal in diesem Jahr merkte ich, dass eine Fleischbeschau in der Sonne mehr zu bieten hat als auf einer verrauchten und verschwitzten Tanzfläche zu nächtlichen Stunden. Ehrlich gesagt kam mir gestern (fast) ganz Zürich wie eine Riesen-Fleischbeschau vor. An der Bahnhofstrasse auf das Tram warten hat nie so viel Spass gemacht. Schade kam meins so früh...
Ähnliches Szenario, eine Stunde später, an der Tramhaltestelle in einem nördlichen Zürcher Quartier auf eine Bekannte wartend, um uns gegenseitig vom Uni-Engagement abzuhalten (Sünde Nummer 3) und den Samstagabend (Sünde Nummer 0?) revue passieren zu lassen: Von Fleisch kann hier nicht die Rede sein. Von Frischfleisch sowieso nicht. Würde man mit einem Querschnittdesign und einer genug repräsentativen Stichprobe an einem Sonntagnachmittag die Fleischkonsistenz aller zwölf Zürcher Quartiere empirisch untersuchen wollen, läge der erwähnte Kreis sicherlich an elfter Stelle.
Wow, wer hätte es gedacht: Ich glaube, ich bin bereit mit der Arbeit anzufangen!

Freitag, 11. April 2008

Höllische Nachbarin

Die grösste Befürchtung vor meinem Umzug waren unüberbrückbare Differenzen mit Nachbarn der älteren Generation die mich um 22:01 auf die Nachtruhe hinweisen. Nach meinem Umzug durfte ich auch feststellen, dass ein älteres Pärchen im Erdgeschoss wohnt und schon flossen die schlimmsten Szenarien durch meinen Kopf. Aus Rücksicht setzte ich meinen Margarita-Eskapaden um Punkt Zehn ein Ende, besorgte mir Bodengleiter und wenn ich Lust auf laute Musik hatte, steckte ich mir Kopfhörer in die Ohren. Schliesslich wohnen ja auch Familien mit Kindern in meinem Block.
Mit der Hauswärtin konnte ich mich auch anfreunden, die ältere Dame aus dem Erdgeschoss ist nun quasi mein Kumpel (obwohl oder vielleicht gerade weil sie mittlerweile etwas hörbehindert ist) und bei der alten Jungfer von nebenan sind immer noch Überreste meiner Schleimspur bemerkbar. So weit, so gut. Die restlichen Mitbewohner sind ja eher jung und die machen sicher keine Probleme, dachte ich mir. Als ich erfuhr, dass unter mir ebenfalls eine Studentin wohnt, die es ins Ghetto verschlagen hatte, schoss eine Welle der Erleichterung durch meine Venen. Das erleichternde Gefühl hielt nicht lange.
Der erste Besuch meiner Eltern stand an. Brav sassen wir anschliessend in der Küche und tranken einen Kaffee. Es war sechs Uhr abends. Jemand klingelt an der Tür - Verwirrung im Quadrat. Türe auf, junge Studentin davor. "Seien sie bitte etwas ruhig, ich habe morgen eine Prüfung und muss mich konzentrieren", ertönte es im perfekten Schweizer Hochdeutsch (nur weil mein Nachname nicht Meier ist, heisst das nicht, dass ich kein Schweizerdeutsch verstehe). "Gang doch id Bibliothek! Es isch ja nonig 10i und d ZB hät sicher no offe!" - Worte, die ich lieber für mich behielt. Ich war ja neu da und wollte mir nicht schon am Anfang Feinde schaffen. Ausserdem befand ich mich damals selber in der Prüfungsphase, was eine Gefühl der studentischen Solidariät hervorbrachte.
Vor ein paar Tagen kehrte ich frühmorgens von der Arbeit heim. An der Eingangstüre hing ein A4-Blatt mit der Aufschrift "Bitte um 23:30 nicht duschen! Hausordnung bis 22:00!!!! No shower at night!". Dazu noch eine liebevoll gemachte Zeichnung eines durchgestrichenen Duschkopfes - schliesslich könnte sie ja die einzige im Haus sein, die deutsch oder englisch versteht. Ich betrat das Treppenhaus und fand weitere solche Zeichnungen vor. Sollte ich mich angesprochen fühlen? Nein. Vor der Arbeit verlasse ich mein Haus jeweils kurz vor halb 11 Uhr, wobei ich darauf achte, dass ich vor 10 geduscht habe. Bin ich nicht ein vorbildlicher Nachbar?
Laut Frau M. von unten nicht. Heute Abend, ca. 22:30. Komme kurz nach Hause um mich umzuziehen, die Zähne zu putzen und mich frisch zu machen. Wieder aus Rücksicht betätigte ich die Dusche nicht. Ein paar Minuten später kommen zwei Bekannte auf einen Tequila-Shot vorbei (da der Standmixer zu laut ist, verzichtete ich auf Margaritas). Sie waren noch nicht einmal in meiner Wohnung, da geht die Türe im Erdgeschoss auf und eine Stimme im perfekten Schweizer Hochdeutsch schreit herauf: "Es war schon 10 Uhr, nicht duschen!". Hallo? Aus Rücksicht zu den restlichen Anwohnern antwortete ich leise mit einem "Wänn sie mich meinet - ich han nöd duscht". Nun war auch das Rätsel um die Figur, die das Treppenhaus mit den mysteriösen A4-Blättern zuspammte offiziell gelöst.
Das erste, was ich morgen machen werde ist hinuntergehen und sie mit meinem perfekten Schweizerdeutsch nett darauf aufmerksam machen, dass ihr Verhalten unangemessen war. Denn die einzige Nachtruhestörung war das unmögliche Geschrei dieser kleinen, traurigen, frustrierten Person. Denn was ich echt nicht ausstehen kann ist wenn jemand im Unrecht mein Recht ins Unrecht stürzen will. Und im Inneren hoffe ich, dass eine der älteren Damen, die bemutternde Hauswärtin oder meine sexuell etwas zu aktiven Nachbarn von oben vorbeischauen, um mir den Rücken zu decken.

Mittwoch, 2. April 2008

Richtigstellung

Nach meinem gestrigen Beitrag stand mein Handy nicht still und meine Mailbox wurde überfüllt mit Nachrichten von entsetzten und schockierten Lesern, die sich zwar für mich freuten, jedoch kein Ende dieses Blogs wahrhaben wollten.
Leute, kauft euch einen Kalender! Wenn das, was ich gestern geschrieben habe, wirklich gestimmt hätte, wäre die Ankündigung um einiges pompöser ausgefallen. Und vor Freunden geheimgehalten? Hallo? Apropos: Dass Leser, die mich persönlich nicht kennen, darauf reingefallen sind - damit kann ich leben. Aber dass mir gewisse Freunde, die mich seit Jahren kennen, die Geschichte abkekauft haben, ist mir ein Rätsel. Möglicherweise war in dem Moment die Freude grösser als die Rationalität.
Hier also offiziell: Es war ein Aprilscherz! Keine allzu harten Monierungen deswegen, bitte!
Trotzdem möchte ich auf einen Kommentar zum gestrigen Post eingehen, und zwar von Phil aus Zürich (vielen Dank für das nette Feedback übrigens!):
"Hier kannst Du nicht aufhören! [...] Immerhin hast Du auch aufgehört zu rauchen und den Blog-Titel beibehalten, also kannst Du uns weiterhin als Nichtsingle mit Deinen herrlichen Betrachtungen unterhalten."
Ja, ich habe aufgehört zu rauchen. Mehr oder weniger. Den Titel des Blogs habe ich aber trotzdem beibehalten, weil er nun auf mich als Nichtraucher, der sich immer nach einer Zigarette sehnt (Allan Carr würde sich bei dieser Aussage im Grab umdrehen... wäre er tot), metaphorisch besser angewendet werden kann. Kaffee und Zigaretten gehören halt nun zusammen. Die Zigaretten sind jetzt weg, was mir bleibt ist allein der Kaffee, der ohne Zigarette immer noch unvollkommen schmeckt.
Geh jetzt feiern...!

Dienstag, 1. April 2008

Die Single-Jahre sind vorbei

Der Intervall zwischen diesem und meinem letzten Beitrag war länger als die vorherigen. Dafür gibt es ein paar Gründe. Es ist so, ich habe in den letzten Wochen intensiv gedatet. Ich mag so Sachen zwar nicht, weil in der Vergangenheit mehr schlechtes als gutes dabei herauskam. Warum muss auch immer eine normale Zusammenkunft von zwei Singles als ein Date abgestempelt werden?
Im folgenden Fall aber habe ich es nicht bereut. Ich hatte vor ein paar Wochen ein vielversprechendes Date. Niemand in meiner Umgebung wurde darüber informiert, da ich keinen externen Einfluss auf die ganze Sache wollte. Nun, wir haben uns dann ein paar weitere Male getroffen (für die betroffenen Personen, die diesen Blog lesen und sich gewundert haben: Nein, ich musste letzten Freitag nicht Zeugs für die Uni machen. Der Grund für meine Abwesenheit war eine dieser Zusammenkünfte von zwei nun Semi-Singles). Möglicherweise ist es für diese Aussage noch zu früh, aber ich habe das Gefühl, das wird etwas. Obwohl ich mich in einem früheren Beitrag für Romanzen und gegen Beziehungen ausgesprochen habe, würde ich mich in der jetzigen Situation mit nur einer Romanze nicht zufrieden geben. Auch er hat sogar explizit erwähnt, dass er sich etwas längerfristiges vorstellt.
Mal gucken, wo das hinführt.
So wie es aussieht, habe ich von nun an auch keinen Grund mehr dazu, diesen Blog weiterzuführen. Ein Blog über das Singleleben geschrieben von einem Nicht-Single? Nee, das macht keinen Sinn.
War schön mit euch! Dass ein noch so junger Blog schon sterben muss, ist echt schade.
"The light that burns twice as bright burns for half as long and you have burned so very, very brightly."