Freitag, 11. April 2008

Höllische Nachbarin

Die grösste Befürchtung vor meinem Umzug waren unüberbrückbare Differenzen mit Nachbarn der älteren Generation die mich um 22:01 auf die Nachtruhe hinweisen. Nach meinem Umzug durfte ich auch feststellen, dass ein älteres Pärchen im Erdgeschoss wohnt und schon flossen die schlimmsten Szenarien durch meinen Kopf. Aus Rücksicht setzte ich meinen Margarita-Eskapaden um Punkt Zehn ein Ende, besorgte mir Bodengleiter und wenn ich Lust auf laute Musik hatte, steckte ich mir Kopfhörer in die Ohren. Schliesslich wohnen ja auch Familien mit Kindern in meinem Block.
Mit der Hauswärtin konnte ich mich auch anfreunden, die ältere Dame aus dem Erdgeschoss ist nun quasi mein Kumpel (obwohl oder vielleicht gerade weil sie mittlerweile etwas hörbehindert ist) und bei der alten Jungfer von nebenan sind immer noch Überreste meiner Schleimspur bemerkbar. So weit, so gut. Die restlichen Mitbewohner sind ja eher jung und die machen sicher keine Probleme, dachte ich mir. Als ich erfuhr, dass unter mir ebenfalls eine Studentin wohnt, die es ins Ghetto verschlagen hatte, schoss eine Welle der Erleichterung durch meine Venen. Das erleichternde Gefühl hielt nicht lange.
Der erste Besuch meiner Eltern stand an. Brav sassen wir anschliessend in der Küche und tranken einen Kaffee. Es war sechs Uhr abends. Jemand klingelt an der Tür - Verwirrung im Quadrat. Türe auf, junge Studentin davor. "Seien sie bitte etwas ruhig, ich habe morgen eine Prüfung und muss mich konzentrieren", ertönte es im perfekten Schweizer Hochdeutsch (nur weil mein Nachname nicht Meier ist, heisst das nicht, dass ich kein Schweizerdeutsch verstehe). "Gang doch id Bibliothek! Es isch ja nonig 10i und d ZB hät sicher no offe!" - Worte, die ich lieber für mich behielt. Ich war ja neu da und wollte mir nicht schon am Anfang Feinde schaffen. Ausserdem befand ich mich damals selber in der Prüfungsphase, was eine Gefühl der studentischen Solidariät hervorbrachte.
Vor ein paar Tagen kehrte ich frühmorgens von der Arbeit heim. An der Eingangstüre hing ein A4-Blatt mit der Aufschrift "Bitte um 23:30 nicht duschen! Hausordnung bis 22:00!!!! No shower at night!". Dazu noch eine liebevoll gemachte Zeichnung eines durchgestrichenen Duschkopfes - schliesslich könnte sie ja die einzige im Haus sein, die deutsch oder englisch versteht. Ich betrat das Treppenhaus und fand weitere solche Zeichnungen vor. Sollte ich mich angesprochen fühlen? Nein. Vor der Arbeit verlasse ich mein Haus jeweils kurz vor halb 11 Uhr, wobei ich darauf achte, dass ich vor 10 geduscht habe. Bin ich nicht ein vorbildlicher Nachbar?
Laut Frau M. von unten nicht. Heute Abend, ca. 22:30. Komme kurz nach Hause um mich umzuziehen, die Zähne zu putzen und mich frisch zu machen. Wieder aus Rücksicht betätigte ich die Dusche nicht. Ein paar Minuten später kommen zwei Bekannte auf einen Tequila-Shot vorbei (da der Standmixer zu laut ist, verzichtete ich auf Margaritas). Sie waren noch nicht einmal in meiner Wohnung, da geht die Türe im Erdgeschoss auf und eine Stimme im perfekten Schweizer Hochdeutsch schreit herauf: "Es war schon 10 Uhr, nicht duschen!". Hallo? Aus Rücksicht zu den restlichen Anwohnern antwortete ich leise mit einem "Wänn sie mich meinet - ich han nöd duscht". Nun war auch das Rätsel um die Figur, die das Treppenhaus mit den mysteriösen A4-Blättern zuspammte offiziell gelöst.
Das erste, was ich morgen machen werde ist hinuntergehen und sie mit meinem perfekten Schweizerdeutsch nett darauf aufmerksam machen, dass ihr Verhalten unangemessen war. Denn die einzige Nachtruhestörung war das unmögliche Geschrei dieser kleinen, traurigen, frustrierten Person. Denn was ich echt nicht ausstehen kann ist wenn jemand im Unrecht mein Recht ins Unrecht stürzen will. Und im Inneren hoffe ich, dass eine der älteren Damen, die bemutternde Hauswärtin oder meine sexuell etwas zu aktiven Nachbarn von oben vorbeischauen, um mir den Rücken zu decken.

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Kenne ich, aber mehr aus Sicht der Dame ;-) Und Bei mir ists auch recht.. übel laut. Heute 20:00 Uhr SBB Zürich HB Treffpunkt, erkennend am Orangen Jäckli?

Anonym hat gesagt…

Sie liebt dich

dani hat gesagt…

...oder ist frustriert... solltest ihr vielleicht mal nen Mann vorbeischicken...:-)...gibts solche Leute. Die müssen ihren Frust über was auch immer an anderen ablassen. Alles schon erlebt. Zum davonlaufen! Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Glück mit der! :-)

Anonym hat gesagt…

oder schick ire beser e frau